Archiv der Kategorie: Kurzgeschichten

Die Liebenden von Wiesbaden von Susanne Konrad

Der Grund warum ich am liebsten alle Bücher, die ich gerne besprechen möchte, selbst kaufe und nicht Rezensionsexemplare anfordere: Ich weiß einfach nicht, wann ich so weit sein werde ein Buch zu besprechen. Das ist nun mal so. Die meisten Verlage wollen gerne, dass ihre Neulinge so bald wie möglich gelesen und besprochen werden, am besten innerhalb von 2-3 Wochen: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Doch möchte ich auch als bloggende Buchhändlerin den Zeitpunkt einer Buchbesprechung selbst bestimmen.

Das Buch „Die Liebenden von Wiesbaden“  von Susanne Konrad ist im Herbst letzten Jahres erschienen. Es hat mich sofort angesprochen und ist, wie ich es gerne nenne,  ein „schönes Büchlein“. Klein, handlich, dünn, ein kunstvolles Broschur-Cover mit dem Bild von August Mackes „Leute am blauen See“ – richtig verlockend. Auch im Buch selbst finden sich Abbildungen, s/w-Fotografien aus Wiesbaden, vom Kurhaus, der Altstadt, Häuserfassaden. Nimmt man das Buch in die Hand und blättert es zunächst schnell mal so eben durch, prüft es als Leser auf „Lesetauglichkeit“: Typographie, Seitenzahl, Absätze, Dialoge, … (das machen Leser zuerst) wird man schnell feststellen, wie liebe- und geschmackvoll dieses kleine Werk ausgestattet wurde. Ein Lob an den Größenwahn Verlag. Und beim Reinlesen stellt man schnell fest, es ist nicht nur ein schönes Büchlein, sondern ein ganz besonderes Buch mit einem außergewöhnlichen Thema. Die Liebenden von Wiesbaden von Susanne Konrad weiterlesen

Beziehungsweise. Liebesvariationen von Manuela Reichart

Das Buch Beziehungsweise im Untertitel Liebesvariationen von Manuela Reichart,  ist eine Neuerscheinung im wunderbaren Dörleman Verlag. Der Verlag hat in diesem Bücherjahr schon sehr viele gute Bücher verlegt,  genaugenommen ist das gesamte Verlagsprogramm ein Lesemuss, und dieses kleine Buch ist meine persönliche Entedeckung:

Beziehungsweise. Liebesvariationen! Angesprochen von diesem kleinen Wortspiel, einem malerischen  Buchcover, nahm ich dieses Büchlein in die Hand und fing an zu lesen. Von der ersten bis zur letzten Geschichte war ich hingerissen: Variationsreiche Liebes- und Paargeschichten, die Erzähldynamik, das  Geschehen, die Sprache – alles ist aufeinander abgestimmt und wunderbar zusammengesetzt!

In allen Liebesvariationen geht es natürlich um Liebende, um Suchende, um Beziehungen. Der Liebes-Alltag in vielen Variationen beschrieben, zeigt dem Leser die Tiefe vielfältiger Beziehungsmöglichkeiten. Die Autorin lässt uns Leser teilhaben – mit erzählerischer Finesse, spannend und stark pointiert erzählt –  an jenen Spannungen und inneren Zerrissenheit ihrer Protagonisten, die die Liebe, die Beziehung von ihnen abfordert. Auch den Perspektivwechsel meistert Manuela Reichart erzählerisch souverän, nimmt dabei die Perspektive der jeweiligen Erzähler*innen ein und gibt den Geschichten dadurch noch mehr Lebendigkeit und Authentizität.

Insgesamt sind diese Facetten der Liebe auf nur 176 Seiten erzählt.  Liebeserzählungen von Menschen, die mit dem richtigen Partner leben, aber in ihrem Leben nicht mehr zurecht kommen.  Menschen, die mit einem falschen Partner ein sehr schönes und ausgefülltes Leben führen. Die Geschichten sind authentisch und spiegeln ein sehr modernes urbanes Leben der Beziehungs-Vielfalt ab. Der Erzählstil ist ebenso variationsreich wie die Geschichten selbst. Ob als klassische „short story“, oder eher im Blogstil verfasst,  Kurzgeschichten mit vielen Rückblenden versehen,  oder als kurze Road-Novel –  die Künste des Erzählens von Maunela Reichart haben mich überrascht.  Ein sehr lesenswertes, sehr aktuelles Buch, und eine ausgezeichnete späte Sommerlektüre!!!


 

Die Dame mit den Bernsteinaugen

Und noch ein SUB-Titel: Die Erzählungen von Dieter Bauer.

 

Die Dame mit den Bernsteinaugen Erzählungen
von Dieter Bauer
Weissbooks
ISBN/EAN 978-3-86337-115-9
ca. 220 Seiten, ca. 20,00 € (D)

Geschichten aus der Kindheit und Jugend sind, wenn sie gut erzählt werden, zauberhaft und grenzen oft ans Wunderbare. Eine polnische Weihnachtsgans, eine Tante und ihr Offizier, die erste Liebe, ein Mann namens Wien, Madame Blanche und ein echter Degas…

Die „Wurzeln und Flügel“, die – so Goethe – Kinder von ihren Eltern bekommen sollten, führen Bauer, der sich gegen die Schriftstellerei und für ein Leben als Geschäftsmann entscheiden musste, in den Jahren des Wirtschaftswunders bis nach Hongkong und Moskau. Und immer noch ist er, auch dann, das Kind, das staunen kann. Und das erzählt. Seine Geschichten sind warmherzig, humorvoll und einfühlsam. Und wären sie nicht wahr, hätte nur Dieter Bauer sie so schön erfinden können. Denn: „Mit einer Kindheit voll Liebe“, hat schon Jean Paul notiert, „kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten.“ (Quelle: Fotografie und Text aus VLB-TIX/Verlagsinformationen)


Granada Grischun von Romana Ganzoni

Auf meinem #SUB ist auch folgende Neuerscheinung:

Nicht nur das Buchcover lässt vermuten, dass hinter der etwas rustikal-ländlichen Welt das pralle Leben um sich greift. Der Beschreibung des Verlags entnehme ich, dass hier eine leidenschaftliche Autorin, mit einem scharfsinnigen Blick  die kleinen entscheidenden Momente aufgreift und sie in Kurzprosa umwandelt.  So lautet es in der Verlagsvorschau:
„Romana Ganzoni erzählt einmal poetisch, dann explosiv und immer überraschend von den Beben in der Kindheit und den Nachbeben im Heute. Mit einer kraftvollen Sprache sticht sie in eine Zeit, in der die Welt am Bahnhof endet, Bäche und Kinder zusammengehören und die Menschheit sich in Katholiken und Protestanten aufteilt.“


 

Reise über die stille Seite Stories von Lydia Davis

Die Meisterin der kurzen Form nimmt in ihren Erzählungen, die manchmal nur zwei Zeilen lang sind dafür aber witzig und ungeheuer klug, die Abenteuer des Alltags in den Blick. Egal ob sie von Reisen, Essgewohnheiten oder verflossenen Männern erzählt, mit Davis ist man stets mitten im Leben – heiter, nachdenklich, praktisch und immer mit einem philosophischen Augenzwinkern.


 

Koffer mit Inhalt – Die besten Erzählungen von Arno Geiger

9783423253703

Lebensträume und Liebesdesaster. Lukas träumt von der großen Liebe mit einer schlafenden jungen Frau, Herr Gabriel hofft, in vergessenen Koffern die Lebensgeschichten ihrer Besitzer zu finden, zwei Lebenslinien kreuzen sich auf der Intensivstation beim Kampf um das Leben eines Jungen … Brillant, einfühlsam und immer wieder mit großartiger Komik erzählt Arno Geiger von der Suche nach dem Glück, der Liebe und dem Scheitern.

Geschichten vom modernen Leben, von der suche nach dem Glück und von Menschen, die nicht vergessen werden wollen. Unerhört leicht, witzig und einfühlsam erzählt.

(Quelle: Buchcover und Text dtv Verlag)


England und andere Stories von Graham Swift

9783423280723

»Ein Kaleidoskop aus Menschenschicksalen.« Guardian Warum bricht es einem Vater fast das Herz,als er auf seiner wöchentlichen Einkaufstour eine Packung Fusilli in den Wagen legt? Was geht einem Zwölfjährigen durch den Kopf, bevor er seiner Mutter das Küchenmesser klaut? Was hält eine junge Ehefrau davon ab, das beste Hemd ihres Mannes zu waschen?

Es sind Alltagsszenen, fragile Augenblicke und Gefühle, die Graham Swift in den 25 Erzählungen dieses Bandes mit klarer Sprache ertastet wie Gebilde aus sehr dünnem Glas. Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Ereignisse und Veränderungen – Krieg, Wirtschaftsaufschwung, Krise – sind es die scheinbar unbedeutenden, fast beiläufigen Begebenheiten, die Duldsamkeit ein Ende setzen, Aufbruch verheißen, Lebenswegen eine neue Richtung geben. Swift erfasst mit seiner Prosa seismografisch genau Veränderungen und spürt der Frage nach, was ein Menschenleben vor dem Zerbrechen bewahrt, was ein Land zusammenhält.

Quelle: Buchcover und Text dtv Verlag


 

Was ich sonst noch verpasst habe von Lucia Berlin

Sicherlich die Neuentdeckung des Jahres 2016: Lucia Berlin – ein Shooting-Star! Der Verlag schreibt: Aus dem Amerikanischen von Antje Rávic Strubel Sie gilt als das bestgehütete Geheimnis der amerikanischen Literatur. Lucia Berlin ist die Wiederentdeckung des Jahres und wird verglichen mit Raymond Carver, Richard Yates oder Grace Paley. Ihre Storys zeugen von einem unsteten Leben voller Brüche. Es sind Frauen wie sie, deren Schicksal sie festhält: alleinerziehende Mütter, Alkoholikerinnen auf Entzug, Haushaltshilfen, Krankenschwestern und Sekretärinnen. Es geht um Mütter und Töchter, scheiternde Ehen und schwangere Mädchen, um Immigranten, Reichtum und Armut, um Einsamkeit, Liebe und Gewalt. Die Orte des Geschehens sind Waschsalons, Cafés und Restaurants, Krankenhäuser und Arztpraxen. Hier entsteht das Unerwartete, hier zeigen sich die kleinen Wunder des Lebens, entwickeln sich Tragödien, denen Lucia Berlin mal mit feinem Humor, mal voller Melancholie, aber stets mit ergreifender Empathie auf den Grund geht. (Quelle: Buchcover und Text: Arche Verlag)


 

Fallensteller von Sasa Stanisic

Ein überaus sprachlich virtous geschriebener Erzählband. Geistreich und mit Witz gestaltet. Leider ohne viel Gefühl für die Handlung. Gerade dies ist für die Kurzprosa so wichtig und geht hier leider völlig unter. Wer aber gerne meisterlich formulierte Sätze und lyrische Prosa liest – hier ist ein Meisterwerk!

Stimmen aus dem Verlag: Der neue Spiegel-Bestseller von Saša Stanišić: Acht Erzählungen, reich an „verspielter Komik, Traurigkeit und brillanten Sätzen“ (Zeit Online). (Quelle Foto und Text: Verlagsgruppe Randomhouse)


Die Tricks der Diva von Brigitte Kronauer

Brgitte Kronauer Die Tricks der Diva: „Der Wanderer der ersten Geschichte, einmal ein „Hornochse“, dann ein „Lackaffe“, schließlich ein „Mondkalb“, besucht eine alte, offenbar demente Frau, früher wohl seine Amme, und kraxelt auf der Suche nach Kindheitserinnerungen durch das „Gebirg’“. Ob er nun am Ende Opfer der Natur, der Sprache oder seiner eigenen Wahrnehmungstäuschung wird, bleibt in dieser wunderbar enigmatischen Geschichte unentscheidbar.“ (Zitat FAZ) Die Kleider der Frauen Brigitte Kronauer: „Ein Zyklus von Geschichten, die alle mit Kleidern oder mit Accessoires, mit Taschen, Ketten, also mit dem, womit sich Frauen schmücken, zu tun hat. Mich interessiert dabei, dass Frauen – viel mehr wohl als Männer – durch Kleider die Möglichkeit haben, sich zu verfremden, für andere und für sich selbst. Außerdem sind Kleider wunderbare Projektionsflächen für Erinnerungen und Gefühle. Kurzum: Devotionalien.– „ (Zitat aus einem Interview mit Frau Kronauer)


 

Peter Stamm

 

Peter Stamm ist ein raffinierter Erzähler, der kleine Begebenheiten im Alltag mit besonderen Ereignissen verknüpft und aus der Kurzprosa einen großen Roman werden lässt!

In fremden Gärten: Erzählungen aus dem Garten „des Lebens“ ; Den Titel „In fremden Gärten“ hat Stamm sich bei Goethes Wilhelm Meister geborgt; in den „Lehrjahren“ heißt es: Er blickte zum Fenster hinaus und sah in einem fremden Garten viele Menschen beisammen, von denen er einige sogleich erkannte.  „Andere zwingen die Welt, um sie zu verstehen, in Naturgesetze. Ich mache sie mir zu Geschichten. Die Orte darin sind verbunden wie die Orte eines Lebens.“, schreibt Peter Stamm selbst über seine Erzählungen, die jede eigentlich ein Buch für sich darstellen: dicht komponiert, erzählerisch brillant und nuancenreich. Da gibt es Henry, den Feuerteufel, der zusammen mit anderen Artisten von Dorf zu Dorf zieht und sich nach einer Frau sehnt. Oder Regina, nach dem Tod ihres Mannes allein in dem leeren Haus, die durch den australischen Freund ihrer Enkelin noch einmal die Welt entdeckt … „Peter Stamm hat nicht nur einen aus der schon längst einmal überholt geglaubten Hemingway-Schule kommenden Erzählstil meisterlich adaptiert, sondern kongenial ins Heute übertragen und weiterentwickelt.“ Frankfurter Rundschau „Peter Stamms neues Buch beweist, dass er weiterhin für Überraschungen gut ist.“ Gunhild Kübler, NZZ „Ein brillanter Erzähler.“ Der Spiegel“

Kurzbeschreibung

›In fremden Gärten‹ ist eine Sammlung von Erzählungen, jede für sich ein Buch, so dicht, brillant und nuancenreich hat sie Peter Stamm erzählt, der nach seinen großen Erfolgen – ›Agnes‹, ›Sieben Jahre‹ und ›Seerücken‹ – mit Raymond Chandler und Richard Ford verglichen wird. Die Helden kommen aus den unterschiedlichsten Orten. Sie leben zu zweit, allein, haben eine Familie und Kinder – oder auch nicht. Manche sind jung, andere alt. Alle sind sie irgendwohin unterwegs, alle scheinen sie auf etwas zu warten. Auf einen Zug oder auf ein Schiff, auf eine Geste der Liebe oder einfach auf das Ende, wie die kranken Reisenden auf dem Weg nach Lourdes. Lebensgeschichten, die man nicht missen möchte. (Quelle: www.buchhandel.de)