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Mein Frühjahr mit Mr Mac

Für mich ist Mein Jahr mit Mr. Mac DIE Neuerscheinung des Frühjahrs 2016. Ein Roman über Kunst,  Freundschaft, Krieg und Vertrauen, wie ich finde. Ich hatte mich schon beim Lesen der Verlagsvorschauen in das  Buchcover verliebt, dann machte mich die Autorin Esther Freud sehr neugierig: Über wen hat sie wohl diesmal geschrieben? Und schon auf den ersten Seiten des Buches, war ich mir sicher: Dieser Roman wird dich nicht mehr loslassen…

In 53 Kapiteln auf 363 Seiten entführt uns Esther Freud in die Welt der Kunst  und des Lebens mit der Kunst.  Der Autorin ist mit diesem Roman ein ganz besonderes Gemälde gelungen: Panorama:
Manchmal düster, manchmal strahlend klar, selten auf ruhiger See und oft in windstarken Böen, mit peitschenden Wellen. Wir beobachten die flinken jungen Mädchenhände, wie sie die Heringe ausnehmen und Fässer füllen, einen jungen Knaben, der rückwärtsgehend, Seile zieht und den Geschichten eines alten Mannes zuhört während er an der Kurbel dreht. Und irgendwo am Strand, am Flussufer steht  ein Fremder mit einem Fernglas in der Hand und in einem schwarzen langen Cape, pafft und beobachtet den Horizont. Blicken wir tiefer hinein in das Gemälde, entdecken wir die kleinen und großen Schicksale, die das Leben manchmal fast nicht mehr möglich machen, um schnell wieder auf erwartungsvolle und hoffende Gesichter zu blicken, auf eine versönliche Natur, auf Rosen, Fingerhut, Levkojen und Farnkraut. Hier wird nicht nur das Leben des Architekten und Malers Charles Rennie Mackintosh und seiner Frau fesselnd nacherzählt, auch die liebevolle Rahmenhandlung um den dreizehnjährigen Thomas Maggs, verleiht dem Roman einen ganz  besonderen, wenn auch manchmal bitteren, Zauber. Walberswick:
Gespickt mit vielen kleinen Geschichten über seine Familie, das Leben der Dorfbewohner, und Anekdoten der Fischer. So erzählt uns der dreizehnjährige Tommy,vom Küstendorf Walberswick, wo er geboren wurde und aufgewachsen ist, in einer kinderreichen armen Familie, die den Pub Blue Anchor betreibt und "das gute Zimmer" an  Sommergäste vermietet. Tommy nimmt eine Arbeit als Seilergehilfe an, er liebt die See, die Schiffe, den kleinen  Fischerhafen. Stundenlang beobachtet er die Takelagen und Schiffskonstruktionen, klammheimlich darauf wartend angeheurert zu werden, und vor allem, Tommy zeichnet. Dass er damit die Schreibaufgaben „vollkritzelt“, wie sein Lehrer findet, ist dem Jungen nicht wichtig, denn das Meer und die Schiffe sind seine Welt.  Nein, die Mutter verbietet es ihm in See zu stechen; ihren einzigen Sohn -  sechs Söhne hat sie bereits früh verloren - will sie nicht hergeben. Er muss die Schule besuchen, dafür hat sie gespart und achtet mit Strenge darauf, dass Tommy keinen Tag versäumt. Nach getaner Arbeit auf dem Hof und als Seiler-Aushilfe sowie der vielen  Strafabschreibarbeiten für die Schule,  entwischt Tommy seiner Mutter immer wieder und durchstreift  das Flussufer, den Strand, auf der Suche nach "Schätzen". Er angelt, beobachtet und zeichnet. Tommy weiß  auch viel zu erzählen:  über die Armut der Menschen im Dorf, dem Kindersterben,  von der Trinkerei der Erwachsenen, der Heringssaison, die viele junge Mädchen aus dem Norden für einen Monat ins Dorf lockt, von der jungen Betty, an die er immer wieder denken muss, der er in Gedanken Briefe schreibt und die er sogar malt. 
Fremde:
Eines Tages, in diesem Sommer,  ist ein Fremder aus Glasgow gekommen, den alle Mr. Mac nennen und sorgt für Gerede: „Schon ein, zwei Tage später sehe ich ihn wieder, wie er am Flussufer spazieren geht. Mac heißt er, jedenfalls nennen sie ihn so, wenn sie im Pub darüber tuscheln, was er  hier eigentlich zu suchen hat. Und  jetzt wird mir klar, woher all das Gerede kommt. Mit seinem weiten schwarzen Cape und dem Filzhut wäre er selbst ohne die Pfeife, an der er pafft, vom Scheitel bis zur Sohle der leibhaftige Sherlock Holmes. Und erst jetzt bemerke ich, dass er einen kaputten Fuß hat; sein Schuh ist klobig  und viel höher als am anderen Bein, was ihn nicht daran hindert, mit seinem Stock so schnell zu gehen, dass ich mit meinem eigenen verdrehten Fuß Mühe habe mitzuhalten, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.„ (S. 35)
Tommy und Mr. Mac begegnen sich an den ungewöhnlichsten Stellen im Ort und zu den ungewöhnlichsten Zeiten.  Die Mackintoshs entdecken schnell Tommys zeichnerisches Talent und  den „gewissen Blick für Dinge“. Sie schenken ihm eine Zeichenblock und Malkasten, und fortan zeichnen sie gemeinsam. Mit viel Neugier und Faszination erfasst Tommy, im warsten Sinne des Wortes, die Geschichte dieses Künstlerehepaares.
Kunst:
Er berührt ihre Bücher, blättert in ungewöhnlichen Zeichnungen und Skizzen von Häusern, Wohnungen, Möbeln. Aber auch das kurze künstlerische Glück, das die Mackintoshs unter dem Namen – heute würde man sagen: Label – „Die Vier“,  erleben durften, bleibt Tommy nicht verborgen. Er erkennt, was es heißt, mit Leidenschaft seiner Berufung nachzugehen und dafür Anerkennung zu suchen. Auf seinen Streifzügen, jetzt auch im Häuschen der Mackintoshs, stöbert Tommy der Kunst immer mehr nach: Er beobachtet genau wie Mr. Mac Blumen zeichnet, wie Mrs. Mac Gesso herstellt und bearbeitet, er lernt, dass es in der deutschen Sprache ein Wort für alle Farben gibt: bunt! Besonders beeindruckt ist er von den Briefen, die sich das Ehepaar Mackintosh schreibt – klammheimlich öffnet und liest er ihre Korrespondenz. „Meine Margaret“,  wie Mr. Mac seine Frau in den Briefen liebevoll nennt, wird auch Tommys  „Meine Margaret“, deren Aufenthalte in Glasgow für beide Männer unendlich lang sind.
Der Krieg:
...ist mittlerweile immer schrecklicher geworden, und ereilt auch die Menschen im Küstendorf. Die Stimmung ist betrübt, Söhne kehren versehrt oder gar nicht zurück, der Feind ist immer in der Nähe - glauben alle. Alle sind verdächtig und ganz besonders Fremde, wie ein Mr. Mac …
Ein stilles und lesenswertes Buch, das so viele Wahrheiten über das Leben in sich birgt und den Leser  einfach beglückt! Unbedingt Lesen!!!

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