Meddi Müller

Ich freue miMeddich sehr heute meinen monatlichen Bücherplausch mit Meddi Müller veröffentlichen zu dürfen. Meddi Müller ist nicht nur ein leidenschaftlicher Feuerwehrmann im Hauptberuf, nein, er ist auch leidenschaftlicher Krimi-Autor, Verleger, Herausgeber der Zeitschrift Die Schreibmaschine und auch Radio Moderator! Ich konnte mich eigentlich beim Lesen seiner Krimis, seiner verlegten Bücher und der herausgegebenen Zeitschrift (leider konnte ich die Radio Sendung noch  nicht selbst hören) gar nicht für ein Interview Thema entscheiden. Mit Meddi Müller kann man nun mal über Alles sprechen, was die Bücherwelt bewegt und das macht großen Spaß!!!

Mein Interesse an Meddi Müller wurde über sein interessantes Verlagsprogramm geweckt. Spannende und tolle Frankfurt-Krimis, aber diesmal war ein Buch dabei, das mich sofort in seinen Bann zog – siehe auch hier meine Rezension: Noch 29 cm Und ich steige gleich mit der Frage ein:

Haben Sie sofort entschieden das Buch von Sabine Marthiensen zu verlegen, und auch unter dem Titel Noch 29 cm?

Ich habe Sabine auf einem Treffen von ARS /(Autoren RheinMain Szene. Eine Autorengruppe aus Frankfurt, der ich vorstehe) kennengelernt und war sofort von ihrer Geschichte fasziniert. Sie hat mich tagelang beschäftigt. Sabine wollte eigentlich nur wissen, wie man an einen Verlag kommt und hat unbewusst das richtige getan. Sie hat sich in die Szene begeben und direkten Kontakt gesucht. Alles andere funktioniert nicht. Den Titel hat Sabine sich von vorneherein ausgesucht, da diese 29cm ihr Leben verändert haben. Wenn man das Buch liest, weiß man auch warum.

Sie selbst schreiben historische Frankfurt-Krimis. Ihr Protagonist ist Heinrich Niemann, Türmer des Frankfurter Doms, Feuerwehrmann und „Hobbyermittler“, Sie verlegen auch Thriller und Krimis anderer Autoren. Mit dem Buch Noch 29 cm haben Sie sich aber für ein Reise- und Ratgeberbuch entschieden. Warum?

Ich habe mich nicht für das Genre, sondern für das Buch entschieden. Das Genre ist zweitrangig, wenn die Geschichte stimmt. Ich lasse mich da von meinen Gespür leiten. Und bei diesem Buch hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass es etwas Besonderes ist. Die Verkaufszahlen sprechen für sich. Wir gehen demnächst in die zweite Auflage.

Ich gratuliere zur zweiten Auflage. Das Buch ist einzigartig in seiner Offenheit und eine interessante Lebens-Wegbeschreibung! An dieser Stelle bitte ich Sie Ihren Verlag kurz vorzustellen?

Der Charles Verlag ist ein Kleinstverlag, der aus meiner Frustration gegenüber meinen bisherigen Verlagen entstanden ist. Bei denen ging es vornehmlich ums Geschäft. Die Autoren und die Geschichten waren egal. Außerdem fehlte mir die Selbstbestimmung und künstlerische Gestaltungsmöglichkeit. Da ich mit der „Schreiberei“ nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten muss, habe ich mich für die absolute Freiheit entschieden und meinen Charles Verlag gegründet. Zunächst nur um meine eigenen Bücher zu veröffentlichen. Doch nach und nach erreichten mich mehr und mehr interessante Projekte. Ich habe mir die herausgesucht, die mich persönlich gefesselt haben. Ich möchte im Charles Verlag die Kunst und die Kreativität in den Vordergrund stellen. Deshalb suche ich auch nicht gezielt nach neuen Autorinnen und Autoren, sondern lasse mich überraschen, wann das nächste Projekt meinen Weg kreuzt. Ich glaube an das Schicksal.

Sie sind ein vielseitig interessierter und tätiger Mensch: leidenschaftlicher Feuerwehrmann, Autor und Verleger und jetzt auch Radiomoderator. Als wir uns kennen gelernt haben, sagten Sie mir,  dass Ihr großer Herzenswunsch, eine Radiosendung zu führen, in Erfüllung gegangen ist! Was machen Sie da genau?

Ich habe auch RadioX die Sendung „Meddis Nähkästchen“. Die Sendung wird einmal im Monat ausgestrahlt. Ich konzentriere mich in der Sendung hauptsächlich auf die Frankfurter Literaturszene. Ich lade in jeder Sendung einen Interviewpartner ein. Das können Autorinnen oder Autoren sein, aber auch mal eine Lektorin oder jemand anderes, der mit der Frankfurter Literaturszene verknüpft ist. Am Ende der Sendung gebe ich Veranstaltungstipps und verlese einige kuriose Zeitungsmeldungen oder andere Dinge, aus vergangenen Tagen, die Frankfurts Geschichte betreffen. Hin und wieder gibt es auch den einen oder anderen Prosabeitrag zu hören. Dazu wird thematische Musik gespielt, die auch mal Live sein kann.

Sie geben auch – seit April/Mai 2016 nur noch Online – Die Schreibmaschine. Das Magazin für unabhängige Literatur, raus! Derzeit haben Literaturblogger den Literaturbetrieb ziemlich aufgemischt, ihre Meinung zählt oft mehr als die der renommierten Literaturkritiker. Was können noch relativ unbekannte Autoren machen, um auch die Blogger Community für sich zu gewinnen?

Ich finde, die Blogger-Community wird überschätzt. Es gibt mittlerweile unzählige sog. Literaturblogger. Es ist inflationär geworden. Hinzu kommt, dass man sich Blogtouren kaufen kann, was die Sache dann weniger neutral macht. Kritik ist gut, so lange sie sachlich und fundiert ist. Ich nehme sie gerne an und versuche daraus zu lernen. Aber immer geht es dabei um subjektive Eindrücke, die schnell als Fakten missinterpretiert werden. Und was qualifiziert einen Blogger? Ich kann in einer Stunde einen eigenen Blog online stellen und meine Meinung in die Welt hinausposaunen. Wie viel Macht ich damit habe, ist schwer zu sagen. Letztendlich muss jeder Leser selbst entscheiden, ob ihm das Buch gefällt oder eben nicht. Viel zu viele Leute nehmen sich viel zu wichtig in dieser von „Social Media“ geprägten Welt. Und das stört mich!

Der Büchermarkt ist durch die Digitalisierung richtig aufgemischt. Die Buchbranche beschäftigt sich intensiv auch mit Self-Publishern. Hier stellt sich die Frage: Wie viel Qualität steckt in ein einem selbst  verlegten Buch? Und wie viel Konkurrenz für die Verlage ist das Self-Publishing?

Ich denke, dass es für Verlage und Self-Publisher möglich ist eine Koexistenz zu führen. Beides hat seine Fans und seine Vor- und Nachteile. Die Self-Publisher Gemeinde hat ihre Stars, wie jede andere Branche auch. Diese Stars werden dann wieder als Beispiele genommen, dass man es „schaffen kann“. Es ist heutzutage sehr einfach ein eBook auf den Markt zu bringen. Und genau das ist das Problem, und das gleich zweifach. Das erste Problem ist, dass ein Jeder, der ein Buch geschrieben hat, es auch sofort veröffentlichen kann. Und das wirft dann einen Schatten auf alle Self-Publisher, die sich ein Lektorat leisten, und Talent haben. Das zweite Problem ist, dass im Sog der Self-Publisher-Welle, die Betrüger aus ihren Löchern gekrochen kommen und unerfahrene Autorinnen und Autoren über den Tisch ziehen mit viel zu teuren Dienstleistungen. Genau aus diesem Grund habe ich Die Schreibmaschine gegründet. Doch allen Schreibenden sei gesagt: Mit einem Buch Geld zu verdienen, ist genauso schwierig wie als Musiker, Sportler oder Maler erfolgreich zu sein. Nur ein verschwindend geringer Bruchteil davon schafft es tatsächlich. Und das sehen viele nicht.

Wie weit geht Ihre Unterstützung als Verleger für Ihre Autoren? Versuchen Sie nicht Einfluss zu nehmen auf einen Autor, wenn Sie sehen, dass die Geschichte irgendwo verloren geht oder gar der Titel völlig nichtssagend ist?

Ich nehme keinen Einfluss auf die Autoren, denn sie sind Autorinnen und Autoren, die sich bei den Dingen etwas denken, die sie machen. Ich berate bestenfalls. Bei dem Buch “Noch 29 cm” war es der ausdrückliche Wunsch der Autorin, das Buch so zu nennen. Sie erzählt in dem Buch aus einem wichtigen und sehr emotionalen Abschnitt ihres Lebens, das muss man respektieren. Auch das Cover war der ausdrückliche Wunsch der Autorin. Ich möchte, dass meine Autoren zu hundert Prozent hinter ihrem Buch stehen; da ist es wichtig als Verleger zurückzustecken. Das weiß ich aus eigener Erfahrung als Autor. Wenn ich ein Buch nicht zu hundert Prozent vertrete, gebe ich keine hundert Prozent bei der Vermarktung.

Sie haben schon Ihr Verlagsprogramm für die nächsten Jahre geplant. Welche Bücherneuheiten sind für den Bücherherbst 2016 in Vorbereitung?

Im Herbst 2016 erscheint das erste Buch von Susanne Reichert. Ein Buch über das Zusammenleben mit einem pubertierenden Mädchen. Hier wird der alltägliche Wahnsinn einer Mutter erzählt, die sich mit einem hormonüberschüttenden Teenager herumschlägt. Ein Projekt, das übrigens aus den E-Mails  zwischen der Autorin und mir mit dahingesagten Worten entstanden ist. Das wird sehr unterhaltsam. Susanne Reichert hat bisher nur Kurzgeschichten geschrieben, die u.a. bei großen Publikumsverlagen veröffentlicht wurden.
Dann steht noch der „28ste cm“ ins Haus, die Fortsetzung von Sabine Marthiensens Buch, sowie eine Krimiveröffentlichung von Robert Maier. Last but not least, erscheint ebenfalls im Herbst mein neuer Roman Der falsche Fürst von Frankfurt“. Dieses Buch spielt im mittelalterlichen Frankfurt und erzählt die bewegende Geschichte eines jungen Mannes, der in die Kriminalität gezwungen wird. Sie sehen, es wird nicht langweilig.

Ich gehe davon aus, dass Sie Ihr Verlagsprogramm an alle Buchhandlungen verschicken? Sie sind auch demnächst bei Libri gelistet, oder?

Ich habe das Programm an insgesamt 84 Buchhandlungen in Frankfurt und Umgebung verschickt. Und das mit einem mehr als enttäuschenden Erfolg. Ich habe durch die danach erfolgten Bestellungen noch nicht einmal die Versandkosten wieder reingeholt, geschweige denn die Herstellungskosten des Programms. Der Charles Verlag ist seit mehr als  drei Wochen bei Libri gelistet und wird bald auch bei KNV verfügbar sein.

Ich danke Ihnen für die offenen und ehrlichen Worte und freue mich schon auf die Neuerscheinungen, Ihre Radiosendung, die Schreibmaschine Artikel… also einfach auf alles, was Sie so noch machen!

Die Bücher können auch hier bei der mobileBuchhandlung bestellt werden und auch beim Charles Verlag direkt.

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