Archiv

Annette Pehnt

Annette Pehnt wurde 1967 in Köln geboren, lebt heute in Freiburg. Sie schreibt in Ihren Erzählungen über aktuelle Themen, beobachtet dabei die von der Norm abweichenden Momenten. Annette Pehnt ist eine Autorin, die in literarischer Weise über Krankheit schreiben kann. Krankheit in ihrer vielfältigen Art und Weise. Im Erzählband Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern greift sie ganz besondere Momente im Leben von Menschen auf, die im Alltag nicht (mehr) zurechtkommen.  Die Geschichten erzählen von Krankheit, Behinderung, Einsamkeit, Kommunikation ohne Worte. Dem „wortlos sein“ widmet sie eine ganz besondere Beachtung. Sie wagt sich an Themen heran, die auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend sind, wie ich persönlich finde. Aber beim Lesen entwickelt sich eine erzählerische Kraft, die den Leser mitnimmt und die Wortlosigkeit hörbar macht. Ich spreche hier nicht von Stille. Die Protagonisten tauschen sich schon aus, reden und  hören zu, um sie herum sind Geräusche vorhanden – Vogelgezwitscher – aber eigentlich können sie sich nichts mitteilen. Ist es Interessenslosigkeit, Langeweile – übrigens ein bewegender  Moment – der zeitgenössischen Literatur gerade im Beschreiben des Alltags – oder doch letztendlich die Abnormalität? Was könnte die Wortlosigkeit bewirkt haben? Eine spannende Entdeckungsreise durch diese vielschichtige Erzählsammlung. Herausragend ist der Moment der Nähe oder der nicht zugelassenen Nähe, die sich in die zwischenmenschlichen Beziehungen von Pehnts Helden einschleicht und sie erstarren lässt. In der Erzählsammlung Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern empfehle ich die Geschichte Georg: Diese Kurzgeschichte ist ein erzählerisches Meisterwerk: kleine vorwegnehmenden Hinweise auf das Ende finden sich schon auf den ersten Seiten, in chronologischer zeitlicher Abfolge baut Pehnt eine Dramatik um das Kind Georg auf, die sich ganz zum Schluss auflöst – die Kunst des kurzen Erzählens in ihrer ganzen Pracht.

Bekannt wurde Annette Pehnt mit ihren Romanen Mobbing und Haus der Schildkröte.  Das Lexikon der Angst ist eine literarische Nomenklatura der Momente, die im Leben Angst hervorrufen: „Die Angst ist ein Alleskönner, deshalb kennt sie jeder: Sie lähmt uns, sie hält uns den Spiegel vor, sie frisst uns auf, und sie befeuert uns. Dabei nimmt sie jede nur erdenkliche Gestalt an, lauert uns auf oder schlägt uns in die Magengrube. Annette Pehnt hat sie beobachtet und belauscht, sie kennt die Angst von A bis Z: Mit schriftstellerischer Leidenschaft nimmt sie alles auf in ihr »Lexikon der Angst«, was das Leben zu bieten hat – von der Existenzangst bis zur Todesangst. Und in kurzen Geschichten lesen wir von leisen, lächerlichen, bestürzenden Momenten der Angst zwischen Müttern und Kindern, der Angst vor Tsunamis, der Finanzkrise und, natürlich, Fahrstühlen, Hunden und Einsamkeit.“ (Quelle: www.buchhandel.de)
Annette Pehnt schreibt auch Kinderbücher und verdeutlicht auch dem jungen Leser die Tücken des Alltags. Exemplarisch steht für mich hier das Buch Der kleine Herr Jakobi! Herr Jakobi ist nun mal manchmal sehr vergässlich oder auch verärgert und die kleinen Malheurs machen ihn sympathisch, da man sie ja selbst doch irgenwie auch kennt. Ein Lesebuch für Jung und Alt.