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... und doch bin ich noch nicht so mit den Frühjahrsneuerscheinungen warm geworden. Noch beobachte ich das Geschehen und Treiben. Die ersten Titel, die mir ins Auge fielen, sind Bücher, die das Landleben, die Provinz, das „Kaff“, das Dorf, in den Mittelpunkt stellen. In den letzten Jahren gewinnt das Landleben, die moderne „Idylle“, die Natur,  im Büchertreiben an Bedeutung und wird unter verschiedenen Aspekten literarisch verarbeitet. ...weiterlesen "Der Bücherfrühling erwacht …"

Zauberei ist nicht so leicht – das weiß die kleine Hexe Thymiana nur zu gut. Zaubern und auf dem Hexenbesen fliegen, das will ihr einfach nicht gelingen. Wie oft ist sie schon in den Waldsee gefallen, wie oft verwüstete sie schon ihre Küche!
Dafür kennt sie jedes Kraut und kann wohltuende Salben, heilende Bäder, entspannende Tees und gesundmachende Suppen anrühren. Die Waldbewohner kommen gerne zu Thymiana und nehmen ihre Kräutermischungen mit: eine Salbe für die rissigen Hände von Frau Maulwurf, Frau Bär will einen Schlafgut-Tee für Herrn Bär, der Frosch ein Liebesbad und die verfressene Familie Hase einen Tee gegen Bauchweh.

„Ich bin eine Kräuterhexe und kenne für jedes Wehwehchen ein heilendes Rezept“

Ihre Schwester Lavenda dagegen beherrscht das Hexenbesenfliegen und Zaubern hexenmäßig gut. Ein gutes Team die beiden Schwestern!

Eines Nachts kommt Lavenda ganz aufgeregt hereingeflogen und berichtet, dass die Großmutter erkrankt ist. Thymiana hat zum Glück all ihre Kräuterrezepte aufgeschrieben und das geheime Rezeptbuch gut versteckt. Jetzt holt sie es und liest nach – oje, nur die Inguruwurzel kann der Großmutter helfen.  Doch diese wächst im Koboldwald und dort herrscht der grummelige, unfreundliche Koboldkönig, dem schon so viel Gemeines und Böses  nachgesagt wird. Vor allem aber wird erzählt, dass alle, "die dort hingehen, verschwinden und nie wiederkommen"! Schaffen es Thymiana und Lavenda den Koboldwald wieder zu verlassen und die Inguruwurzel mitzunehmen?  Das verrate ich jetzt nicht!  Am Ende wird aber alles gut und in Thymianas Küche herrscht ein verzaubertes Chaos!

Was für eine schöne Hexengeschichte! Spannung, viel Sprachwitz, richtige Kräuterrezepte und duftende Seiten machen dieses Buch zu einem zauberhaften Leseerlebnis. Das Thema "Zusammen sind wir stark" bringen die Verleger und Autoren Jacqueline und Daniel Kauer außerordentlich gut auf den Punkt.

Viel Spaß beim Lesen, machten mir Thymianas „Ausrufe“:  Läuft es mal so völlig falsch, dann schreit man doch am besten:  „Ach du sabberndes Gürteltier“, oder fällt gerade jeder Plan ins Wasser ruft man etwas verzweifelt aus:  „So ein Mäusepopelpech“. Sehr gut klingt auch: „Blattlausbrei und Wurzelpilz“, besonders aufbauend hört sich  doch:  „Ach du grüne Schneckenspucke“ an . Jeder kleine Erstleser wird sein wahres Vergnügen haben, diese herrlichen Sprüche selbst LAUT zu lesen!

Das ganz Besondere an diesem Hexenbuch sind die duftenden Seiten. Vierzehn Düfte können Leser auf der rechten Seite im Buch erschnuppern. Sanft  mit dem Finger über die Seite streichen und schon riecht es ein wenig wie im Kräutergarten.  Wer die Düfte nicht sofort erraten kann, findet auf den Seite einen kleinen Hinweis. Achtung! Neben Thymian, Lavendel, Rosmarin und Schokolade, duftet es auf einer Seite ziemlich „pupsig“! Und warum das so ist, muss man natürlich selbst nachlesen. Mich hat der Duft des Waldbodens fasziniert, weil  er so richtig gut nach Erde duftet.
Eine weitere Besonderheit sind die Rezepte am Anfang und am Ende des Buches. Alle Rezepte werden in der Geschichte erwähnt, und alle eignen sich zum Selbermachen. Aber aufgepasst:  Sie dürfen auf keinen Fall alleine zubereitet werden!!! Mein Favorit ist die Kräutersocke für Langschläfer. Das ist mal eine Duftsocke, sage ich Euch!  Aber auch der Glückstee verspricht ein zauberhaftes Getränk zu sein. Das muss ich heute noch ausprobieren!

Und wer wissen will, wie das Abenteuer mit der „Kräuterhexe Thymiana beim Koboldkönig“ ausgeht, und wie es darin duftet, der kommt am besten vorbei: Das Buch stelle ich auf der Messe  Land & Genuss vor, am Samstag 23.02.2018 und am Sonntag 24.02.2018! Die genaue Uhrzeit gebe ich noch bekannt!

Eine außergewöhnliche Frau, die Freiheit und Gleichstellung von Mann und Frau als oberstes Gut ansah und dafür kämpfte.  Freiheit für alle – das war ihr Credo, dafür zog sie an der Seite ihres Mannes, der die Deutsche Demokratische Legion gründete, in den Krieg. Für die Freiheit tat Emma fast alles - und für die Freiheit verlor sie auch fast alles.

Als Emma Siegmund den Dichter und Kommunisten Georg Herwegh kennenlernte, war sie schon eine „alte“ Frau.  Sie war belesen, gebildet, musizierte, sprach mehrere Sprachen und setzte sich mit den politischen Ereignissen auseinander; vor allem schlug ihr Herz für die Freiheit. Die Ehe sollte sie aus dem Höhere-Töchter-Leben entreißen und ihr das Tor in ein freies Leben, in die Freiheit, öffnen:

„…sie weinte, weil es so überaus richtig war, diesen Mann zu heiraten, weil sie abschloss mit dem Höhere-Tochter-Leben, das sie aber nicht in eine Höhere-Tochter-Ehe überführte, sondern in das, was sie eine Ehe von Freien nannte, ohne dass sie schon wusste, wie weh das tun würde.“(S.102)

Wie viele Opfer sie für die Freiheit bringen wird, kann sich Emma zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen. Erst hoch betagt und verarmt wird sie imstande sein auf das eigene Leben zurückzublicken und zu erkennen, was sie alles für die Freiheit aufgeben musste.

In dieser bemerkenswerten Biografie beschreibt Dirk Kurbjuweit eine außergewöhnliche Frau des 19. Jahrhunderts. Sie war begeisterte Revolutionärin, leidenschaftliche Kämpferin für Frauenrechte und eine Verfechterin der freien Liebe. Sie war Ehefrau, Mutter, Geliebte und Betrogene. Emma Herwegh war Kundschafterin der Deutschen Demokratischen Legion, die sie zusammen mit ihrem Mann gründete, um die aufkeimenden Aufstände von Paris auch auf deutschem Boden voranzutreiben und zu unterstützen. Sie verhandelte und marschierte mit ihrem Mann und all den anderen Kämpfern durch Südwestdeutschland, ertrug Kälte und Hunger, verkraftete die Niederlage bei Dossenbach und floh wieder ins Exil. Emma Herwegh schrieb: „Von einer Hochveräterin: zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris, 1849“ gegen Spott und Kritik, die Georg Herwegh nach der Niederlage bei Dossenbach und der schnellen Flucht in die Schweiz entgegengebracht wurde. Emma Herwegh ertrug den Betrug ihres Mannes, den Tod ihres Sohnes, das lebenslange Exil in der Schweiz und in Paris. Sie verhalf Felice Orsini aus dem Gefängnis indem sie ihm Bücher zuschickte, in denen sie Feilen versteckte.  Felice Orsini war Emmas Liebhaber, sie lebte mit ihm zusammen.

In diesem Zeitporträt und Frauenbildnis zeichnet der Autor Dirk Kurbjuweit ein revolutionäres Bild Europas im 19 Jahrhundert. Dichter und Denker in Paris und der Schweiz, Exil-Deutsche, aber auch Bauern und Arbeiter wollen ihre Freiheit erlangen. Insbesondere erspürt der Autor sehr einfühlsam die starke Rolle der Frau in dieser Epoche, vorneweg Emma Herwegh. Aber auch ihre kontroverse Stellung in der Gesellschaft des 19 Jahrhunderts, zwischen Emanzipation und Tradition:

„Wir sind Wesen, sagte sie, die nur Zierrat auf der Welt sind, Flitter, aber keinen Teil der Weltseele ausmachen. Was bleibt mir: Reitstunde, Singstunde, Zeichenstunde, Literaturstunde. Sie stopfen uns voll mit Bildung, und dann? Lassen sie uns verdorren.“
„ Oft, sagte sie, kommt es mir vor, als glaubten die Männer, wir wären nur zum Vergnügen auf der Welt, zum Spaß für sie, und das ist der Punkt, der mich rasend machen könnte. Man gibt uns von allen Dingen nur die Schale, von den Wissenschaften, von der Kunst, und wehe der Frau, die sich dem Kern nähern wollte.“ (S.121)

„ Der Kulturzustand einer Gesellschaft, sagte Herwegh, bemisst sich an der Stellung der Frau. So hat Fourier das gesehen. (S. 128)

Diese einfühlsame und historisch genau nachgezeichnete Biografie erzählt der Autor in zweierlei Erzählperspektiven: Zum einen lässt er die bereits betagte Emma Herwegh selbst erzählen. Sie unterhält den jungen Frank Wedekind mit ihren Liebes- und Ehegeschichten, mit den Seitensprüngen, den Ehebrüchen, Liebeskrisen und wahlverwandtschaftlichen Liebesreigen, die sie und Herwegh durchlebt haben. Dabei bringt sie immer wieder deutlich zum Ausdruck, wie bedingungslos ihr Drang nach Freiheit das eigene Leben geprägt hat. Zum anderen ist es der Autor selbst, der chronologisch dem politischen und künstlerischen Leben, der Leidenschaft und Hingabe für die Liebe und Freiheit von Emma und Georg Herwegh in jener revolutionären Zeit nachgeht.

 

Ein starker biografischer Roman, eine lesenswerte Biografie, ein bedeutendes Zeitdokument!

 

Mariana Leky hat mit ihrem Roman „Was man von hier aus sehen kann“ ein Buch über die Liebe, den Tod und den Glauben geschrieben. Dieser Roman ist der Liebling der Buchhändler geworden, ja er hat uns Buchhändler sofort in seinen zauberhaften, aber so wahren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Das liegt nicht nur an der einzigartigen Geschichte, sondern ganz besonders an der Erzählweise von Mariana Leky. Ihre Protagonisten sind richtige Menschen, die ab und an den Boden unter den Füßen verlieren und sich dabei auf diese so „lekyhafte“ wundersame Weise zu helfen wissen: Geister, Träumer, Reisende, Feuerwehrmänner, Mönche und Optiker. Sie sind Retter in Not und stille Begleiter in Lebenskrisen. Leky versteht es zu erzählen, wie sich Zufälle und Vorfälle auf Menschen zeitgleich und doch unterschiedlich auswirken können. Liest man Lekys Geschichten, so glaubt man kaum vorher je so schöne Formulierungen gelesen zu haben. Ich mache das nicht so gerne – Autoren vergleichen - aber hier finde ich es angebracht: Mariana Leky ist die deutsche Carson McCullers.

"Es ist sehr entspannend, ein wenig herumzulügen, wenn man weiß, dass gleich eine verschwiegene Wahrheit anrückt"

Mein erstes Buch von Mariana Leky war ihr Roman „Die Herrenaustatterin“, erschienen 2010 im Dumont Verlag. Ich fing damals an zu lesen und war hingerissen. Mal musste ich richtig laut auflachen, mal die Sätze mehrmals lesen, um sie immer wieder zu genießen. Situationskomik und Psychologie, Alltag und Philosophie liegen hier ganz nah beieinander.  Pointiert und zutiefst treffend beschreibt Leky die Augenblicke in welchen sich Glück und Trauer abwechseln.
In „Die Herrenaustatterin“ verliert die Protagonistin Katja Wiesberg den Boden unter den Füßen als sie von ihrer großen Liebe verlassen wird. Jakob, ihr zufälliger Zahnarz, ihr Noch-Ehemann, trat  unauffällig zufällig in ihr Leben:

„Ich freute mich, ausgerechnet an Jakob geraten zu sein, und als es dann doch etwas schmerzhaft wurde, hob ich nicht die Hand, sondern schaute auf ein großes Schild, das an der Decke über dem Behandlungsstuhl hing. In großen Buchstaben stand drauf: "Gleich ist es vorbei“

So verkündet schon auf den ersten Seiten die Erzählerin  auch das Ende dieser ganz wunderlichen Beziehung. Als Jakob sich nicht nur in eine andere Frau verliebt, sondern auch tödlich verunglückt, ist man auch als Leser kaum imstande die Trauer von Katja Wiesberg auszuhalten. Hier zeichnet Leky psychologisch genau nach, wie ein Trauma die Sinne trüben, aber wie Phantasie sie retten kann. Katja kommuniziert fortan mit dem Geist ihres verstorbenen Nachbarn, Herrn Blank, der ihr nicht mehr von der Seite weichen wird. Der real existierende Feuerwehrmann Armin, taucht zum richtigen Zeitpunkt, aber am falschen Ort – bei Katja Zuhause – auf, um ein Feuer zu löschen, das es gar nicht gibt. Auch er wird bei Katja bzw. bei Katja und Blank, diesem Duo  aus Tragik und Komik, bleiben. Slapstick-Humor, geschickte Wendungen, und immer das richtige Maß an märchenhaftem Erzählen, zeichnen die Erzählweise Lekys deutlich aus.

Auch in ihrem neuesten Roman „Was man von hier aus sehen kann“ sind die Wendungen und Pointen, der Wechsel vom Unglück zum Glück zum Unglück, behutsam und unteilbar gesetzt. Ein ganzes Dorf gerät in Aufruhr, wenn Selma von einem Okapi räumt. Der Tod naht, das wissen die Dorfbewohner, nur nicht, wen es treffen wird. Jeder glaubt er sei der Nächste. Umso grausamer ist es als der junge Martin verunglückt. Der Tod eines jungen Menschen ist kaum zu ertragen. So endet der erste Teil des Romans, der von Martin und Luise, von Selma, dem Optiker und einer wundersamen Dorfgemeinschaft handelt. Der Aberglaube dominiert die Westerwälder. Selmas „Okapi-Träume“ sind gefürchtet, bestimmte Stellen im Haus, …  schicksalhaft. Nach Martins Tod allerdings beginnt eine neue Zeitrechnung. Zwölf Jahre später, im zweiten Teil des Romans,  haben die Protagonisten viele Unwägbarkeiten hinter sich gebracht und versuchen im Leben zu bestehen. Doch für die Ich-Erzählerin Luise wird es noch ein weiter Weg sein. Zeit und Glaube sind die Schlagwörter in diesem zweiten Teil.

„Meine Mutter verließ meinen Vater, und dass er sie bereits vor einiger Zeit verlassen hatte, tat überhaupt nichts zur Sache. Meine Mutter hatte eine Zeitverschiebung, deshalb verließ sie ihn aus ihrer Sicht zuerst.“

Luises Liebe zum buddhistischen Mönch Frederik, der plötzlich – wie so üblich in Lekys Erzählungen – in Luises Leben eintritt, verleiht der Geschichte eine ganz besondere zeitliche Aura. Aus Zeitverschiebung werden zeitliche Parallelen. So beschreibt die Autorin, alle Ereignisse im Leben der Protagonisten als gleichzeitig stattfindend. Es mag an mancher Stelle im Buch daher etwas unliterarisch erscheinen, wenn Leky jeden Abschnitt mit "Gleichzeitig, ...beginnt. Die wunderbar ersponnene Handlung verliert dadurch nicht an erzählerischer Kunstfertigkeit.

Der dritte Teil des Romans – jetzt acht Jahre später, Luise ist mittlerweile Mitte Dreißig – verläuft in gespannter Erwartung eines Unglücks. Selbst der Leser traut bis zur letzten Seite nicht dem Frieden. Ist es möglich, dass niemand mehr stirbt? Ist es möglich, dass nicht alle zur gleichen Zeit ihr ganz persönliches Erlebnis haben, …?

Und am Ende geht die Geschichte natürlich weiter. Irgendwann werden wir bestimmt wieder was von Luise und Frederick zu lesen bekommen. Darauf freue ich mich schon jetzt.

Mariana Leky hatte vor einigen Jahren ein Hörspiel mit dem Titel „Der Buddhist und ich“ verfasst, in dem "Frederik" und "Luise" zum ersten Mal auftreten. Diesem Hörspiel sind diese beiden Figuren für diesen Roman entnommen. Und wer Freude am Hören hat, der gönne sich das Hörspiel!

Die wichtigsten ücher von Mariana Leky:

Was man von hier aus sehen kann
Die Herrenaustatterin
Liebesperlen

Vor ein paar Wochen erschien im Klett-Cotta Verlag ein Buch, das nahezu still und leise, am Büchergeschehen vorbei, in den Handel kam.  Leider!

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es ist eine besondere Lektüre, weil sie außerhalb der Thementrends liegt, die in diesem Jahr den Buchmarkt prägen - und doch wieder nicht: auch hier spielt das politische Europa eine Rolle! Was macht das Buch also so besonders? Das ist auf jeden Fall die dokumentarische Erzählweise der Autorin Ines Geipel,  die Fakten und Fiktion sehr abgestimmt und literarisch miteinander verbindet. Es sind die Umrisse einer politischen Nachkriegsentwicklung in Europa, die alles andere als friedlich abgelaufen ist - die Folgen sind heute deutlich erkennbar. Es sind die Leben der Menschen, die von diesen politischen Unruhen beeinflusst wurden - bis heute. ...weiterlesen "Tochter des Diktators von Ines Geipel"