Der Bücherfrühling erwacht …

… und doch bin ich noch nicht so mit den Frühjahrsneuerscheinungen warm geworden. Noch beobachte ich das Geschehen und Treiben. Die ersten Titel, die mir ins Auge fielen, sind Bücher, die das Landleben, die Provinz, das „Kaff“, das Dorf, in den Mittelpunkt stellen. In den letzten Jahren gewinnt das Landleben, die moderne „Idylle“, die Natur,  im Büchertreiben an Bedeutung und wird unter verschiedenen Aspekten literarisch verarbeitet.

Unter den vielen Romanen und Erzählungen, die sich mit der Provinz und dem Landleben beschäftigen, hebe ich „Das Dorf“ von Katrin Seddig hervor. Das war mein “letztes” Buch kurz vor Weihnachten. Düster, tragisch, zuweilen ironisch und fast schon komisch, erscheint in diesem Buch das Dorf ohne Namen. Und doch will man diese Geschichte weiterlesen, sich in das geheimnisvolle Leben der eigentümlichen Dorfbewohner hineinziehen lassen. Offenbaren wird sich am Ende ein kleiner Entwicklungs- und Provinzroman, eine Reise durch die Enge des Landlebens.


Ich möchte fast meinen, ein ähnliches Buch beschert uns in diesem Frühjahr Jan Böttcher mit seinem Neuling „Das Kaff“. Eine Rückkehr ins heimatliche Dorf, eine Rückkehr als gemachter Mann, ein Großstädter, der sich nun alten und neuen Gegebenheiten in der ländlichen „Idylle“ hingeben muss. Auch in diesem Roman wird eine Wandlung vollzogen, eine Ich-Findung stattfinden. Jan Böttcher ist dafür bekannt mit viel Witz zu schreiben, den Leser nicht den Grausamkeiten des Lebens einfach so zu überlassen. Also, freuen wir uns auf ein unterhaltsames und schlaues Werk eines außerordentlich guten Autors.


Was steht denn noch so auf meinem Leseplan, der mich wieder überholt hat, denn auf dem Lande ist nicht viel möglich, aber zum Lesen komme ich trotzdem kaum:

Das Reisen ist in der deutschsprachigen Literatur auch immer wieder ein Thema. Und so finden sich gleich zwei Romane in meiner Frühjahrsbibliothek, die mich auf unterschiedliche Reisen mitnehmen werden. Beide Titel sind im Klett-Cotta Verlag erschienen:

In „Fünfers Schatten“ schickt Daniel Goetsch seinen Helden auf eine Insel und leitet mit dem Motiv der Robinsonade eine Zeit- und Lebensgeschichte ein, eine Biografie über das 20. Jahrhundert, über Freundschaft, Familie und die Literatur.

 


„Der Reisende“ ist einem Romantyposkript entnommen, welches 1938 verfasst wurde, wohl unmittelbar nach der Reichsprogromnacht im November. Der Autor, Ulrich Alexander Boschwitz,  war zu diesem Zeitpunkt schon auf der Flucht und gerade mal 23 Jahre alt. Wie es weiterhin in der editorischen Notiz heißt, gelang das Originaltyposkript auf Umwegen 1960 nach Frankfurt, wo es heute im Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek verwahrt wird. Herausgegeben wurde der Roman von Peter Graf, der auch das Nachwort schrieb.  Achtzig Jahre nach der Fertigstellung und mit Zustimmung der Familie, ist nun dieses einfühlsame, beeindruckende Werk erschienen. Auf diese Lektüre bin ich sehr gespannt!


Auf meinem Stapel ungelesener Bücher sind noch:

Peter Stamms Buch „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“ – ich habe mich schon ein wenig herangewagt und wurde gleich in die Stamm’sche Erzählkunst gesogen, gleich mitten ins Geschehen. Peter Stamm ist ein Meister der Kurzgeschichte und auch seine Erzählungen und Romane, die nicht mehr als 200 Seiten haben, leben von dieser Freude am Erzählen ungewöhnlicher und doch alltäglicher Begebenheiten.


Monika Marons neues Buch “Munin oder Chaos im Kopf” verspricht viel Geist, Witz und Literatur, insbesondere freue ich mich schon auf die Maronsche Heldin, eine Journalistin auf ihrem Weg ins Zeitgeschehen …

 


Und wer bekommt ihn, den Buchpreis der Leipziger Buchmesse 2018?  Na, schon einen Favoriten ausgewählt? (Ich tippe auf “Miakro” von Georg Klein) Hier sind die Nominierten!


Die Nominierten des Preis der Leipziger Buchmesse 2018

In der Kategorie Belletristik

  • Isabel Fargo Cole: „Die grüne Grenze“ (Edition Nautilus)
  • Anja Kampmann: „Wie hoch die Wasser steigen“ (Carl Hanser Verlag)
  • Esther Kinsky: „Hain. Geländeroman“ (Suhrkamp)
  • Georg Klein: „Miakro“ (Rowohlt)
  • Matthias Senkel: „Dunkle Zahlen“ (Matthes & Seitz)

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik

  • Martin Geck: „Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum“ (Siedler Verlag)
  • Gerd Koenen: „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“ (C. H. Beck)
  • Andreas Reckwitz: „Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne“ (Suhrkamp)
  • Bernd Roeck: „Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance“ (Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung, C. H. Beck)
  • Karl Schlögel: „Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt“ (Edition der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, C. H. Beck)

In der Kategorie Übersetzung

  • Robin Detje: übersetzte aus dem Amerikanischen „Buch der Zahlen“ von Joshua Cohen (Schöffling & Co..)
  • Olga Radetzkaja: übersetzte aus dem Russischen „Sentimentale Reise“ von Viktor Schklowskij (Die Andere Bibliothek)
  • Sabine Stöhr und Juri Durkot: übersetzten aus dem Ukrainischen „Internat“ von Serhij Zhadan (Suhrkamp)
  • Michael Walter: übersetzte aus dem Englischen die „Werkausgabe“ in drei Bänden von Laurence Sterne (Galiani)
  • Ernest Wichner: übersetzte aus dem Rumänischen „Oxenberg und Bernstein“ von Catalin Mihuleac (Paul Zsolnay Verlag)

 

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