Autorin Susanne Konrad

Portr�t mit BuchIch freue mich, heute mit der Autorin Susanne Konrad den ersten Bücherplausch führen zu dürfen. Die Akademikerin heißt der neue Roman von Susanne Konrad, erschienen letztes Jahr im Frankfurter Größenwahn Verlag. Es ist bereits der dritte Roman von Frau Konrad, die auch als Stadtteilhistorikerin am Dornbusch arbeitet, und sich im Verband Deutscher Schriftsteller und in der Literaturgesellschaft Hessen engagiert.

1. Bevor wir uns Ihrem Roman widmen, muss ich erst einmal auf Ihre Tätigkeit als Stadtteilhistorikerin eingehen. Sie gehen den Spuren des Stadtteils Dornbusch nach. Welche, für Sie wichtige, historische Entdeckung haben Sie bisher über den Dornbusch gemacht?
Meine Stadtteilhistoriker-Zeit geht in diesem Frühjahr mit einer Abschlussveranstaltung in der Ev. Dornbuschgemeinde zu Ende, und zwar am Mo 25.4. um 19 Uhr. Dort stelle ich meine Erzählung “Schatten und Licht am Dornbusch” vor, die in unserem Stadtteil spielt und ihn auch thematisiert. Was mich historisch am meisten fasziniert? Dass der Dornbusch als Stadtteil erst 1946 quasi “auf dem Reißbrett” gegründet wurde, dass es aber trotzdem schon vorher eine lokale Identität gegeben hat, was nicht zuletzt die Einrichtungen der evangelischen und der katholischen Gemeinden in den 1920er und 1930er-Jarhen zeigen. Meine Gedanken und Ergebnisse zur Stadtteilforschung habe ich auf meiner zweiten Website http://www.czuba-konrad.de zusammengetragen.

2. Sie veröffentlichen unter Ihren zwei Namen: Czuba-Konrad und Konrad, Sie haben auch zwei Websites mit verschiedenen Inhalten. Warum setzen Sie Ihre Namen verschieden ein?
„Dr. Susanne Czuba-Konrad“ ist mein formeller Name, der im Pass steht. Dies ist der Name, den ich als Stadtteilhistorikerin verwende. „Susanne Konrad“ ist mein Geburtsname, aber auch mein Autorenname für literarische Texte. Die Bedeutung der beiden Namen hat sich in meinem Leben auch immer mal etwas verschoben, so dass die Verwendung für mich auch zu einer Gefühlssache geworden ist, die rückblickend keiner totalen Logik folgt.

3. Liebe Frau Konrad, Sie sind sehr engagiert und viel beschäftigt. Haben Sie sich zum Schreiben feste Zeiten gesetzt? Wie lange haben Sie an Ihrem Roman geschrieben?
Nein, ich habe keine festen Zeiten. Ich schreibe in Zeiten, in denen es, sowohl von meiner inneren Disposition her, als auch von den äußeren Gegebenheiten her gut möglich ist. Ich kann das teilweise planen. Aber teilweise kommt es auch spontan. Wenn ich weiß, der Text ist „dran“, dann stelle ich alles andere zurück, dann wird geschrieben. Ein erster Entwurf für die „Akademikerin“ stammt aus dem Jahr 2009. Den philosophischen Teil habe ich 2013 entwickelt. Es gab immer sehr intensive Arbeitsphasen, aber auch Zeiten, in denen ich etwas ganz anderes gemacht habe.

4. Im Roman Die Akademikerin geht es um eine junge Frau, Melina Kandziora, die an ihren eigenen Ansprüchen zu scheitern droht: erfolgreich zu promovieren, ihren Professor für sich zu gewinnen, eine anspruchsvolle akademische Laufbahn einzuschlagen und natürlich auch das erste eigene Geld als Philosophin zu verdienen. Was hat Sie zu dazu bewogen die Akademikerin zu schreiben?
Ich habe selber sehr intensiv und leidenschaftlich studiert. Meine Promotion war ein existenzielles Projekt für mich. Es ging mir weniger um den Dr.-Titel, als um die erkenntnistheoretische Arbeit, um die Studie als Solche. Ich habe sie als Baustein meines Werks betrachtet.

5. Nachdem Melina die Promotion abbrechen musste, sah sie sich gezwungen Geld zu verdienen. Sie empfindet es aber als erniedrigend bzw. als Versagen einer „gewöhnlichen“ Arbeit nachgehen zu müssen – zunächst in einem Call-Center später zwar im Verlag, aber „nur“ als kaufmännische Angestellte. Und immer wieder fragt sie sich, was würden ihre ehemaligen Kommilitonen dazu sagen? Warum diese Bewertung der Arbeit?
Ja, das ist schon von manchen Lesern kritisch aufgenommen worden. Ich selber war auch nicht immer so glücklich mit meiner beruflichen Situation als einfache Lehrkraft. Ich wäre auch gern erfolgreich geworden, mit einer guten Position. Doch heute habe ich erkannt, dass meine halbe Stelle in der Bildungsarbeit es mir möglich macht, Kapazität zum Schreiben zu finden. Mit so einem hochkarätigen Stress-Beruf würde das gar nicht gehen. Komischerweise ist mir das erst nach den ersten Leserreaktionen klar geworden.

6. Nach mehreren persönlichen Schicksalsschlägen lernt Melina offen mit ihren Gefühlen und Wünschen umzugehen und findet auch einen Weg zurück an die Universität. Sie wagt es ihre Promotion zum Abschluss zu bringen. Ohne ihre geistige Arbeit fühlt sie sich doch „wertlos“ wie mir scheint. In wie weit ist Melina eine typische Akademikerin?
Nein, Melina ist nicht typisch für eine Akademikerin. Dafür hat sie viel zu viel Schlimmes durchgemacht. Die meisten finden doch irgendwann einen akademischen Broterwerb und fühlen sich vom Status her bestätigt. Aber für Melina ist es ein grundlegendes persönliches Bedürfnis, geistig zu arbeiten und zu philosophieren. Vielleicht ist sie dann doch eine “wahre” Akademikerin, auch wenn sie dafür keine äußere Anerkennung bekommt.

7. Ich komme zurück auf Ihre Tätigkeit im Verband Deutscher Schriftsteller und frage: Was sind die Interessen der in Hessen lebenden Autoren und Übersetzer?
Ganz wichtige Frage: Für Autorinnen und Autoren wird das wirtschaftliche Überleben immer wichtiger. Durch die digitale Revolution, durch steigende Bücherzahlen bei abnehmender Leserschaft u.s.w. schmilzt das Berufsbild des Freien Schriftstellers dahin. Hier zu helfen, zu beraten, und weiterzubilden, ist eine Aufgabe des Schriftstellerverbands und seines Fördervereins, der Literaturgesellschaft Hessen e.V. Die Organisation von Lesungen und die Auslobung von regionalen Literaturpreisen gehört dazu.

Sie haben einen sehr persönlichen Roman geschrieben, Persönliches und Fiktionales miteinander literarisch verbunden. Diese Form des Schreibens ist aus der Literatur so gut wie verschwunden. Der Literaturbetrieb – aber auch der Buchhandel muss ich gestehen – trennt strikt zwischen Autobiografie und Roman. Das autobiografische Schreiben gehört eher in die Erwachsenenpädagogik. Zu diesem Thema und auch zu den verschiedenen Aspekten des Berufsbildes Akademiker fallen mir noch mehr Fragen ein, die wir heute und -hier leider nicht mehr behandeln können.

8. Sie schreiben auch Fachbücher und Ratgeber, da frage ich mich natürlich: Was werden wir als nächstes von Ihnen lesen werden?
Als nächstes wird etwas ganz anderes erscheinen: eine literarische Anthologie zum Thema “Stadtteilidentitäten in Frankfurt”.

Vielen Dank für den Bücherplausch!

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Lesungen am:

Montag, 25.04.2016 um 19 Uhr
in der Evangelischen Dornbuschgemeinde
zum Schwerpunkt „Dornbusch“
sowie am
Do 28.4.016 um 19: 30 Uhr
in der Stadtteilbibliothek Dornbusch
aus der „Akademikerin“


Alle, die gerne mehr über Frau Konrad und ihre historische Recherche über den Dornbusch wissen möchten, können unter:
http://www.czuba-konrad.de und http://www.susanne-konrad.de
weitere Informationen nachlesen.


Bildnachweis: Autorin Susanne Konrad fotografiert von Michael Kleinespel

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