Stefan Moster

Was ist über den Autor Stefan Moster zu sagen?

Stefan Moster wurde 1964 in Mainz geboren und lebt in Finnland. Er übersetzt finnische Autoren ins Deutsche und veröffentlicht selbst Romane im mare-Verlag. Bisher hat der mare Verlag vier Romane Mosters herausgegeben und alle haben unterschiedliche Themen.
Stefan Moster zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern und hat seine ganz eigne,  zarte Beobachtung der Menschen und Schicksale über die er schreibt.
Was macht seine Erzählkunst aus?
Znächst fällt es sofort auf, dass  hier ein Autor am Werk ist, der seine Helden genau kennt und ihnen ein eigenes Leben gönnt. Seine Protagonsiten sind autarke Persönlichkeiten, nicht zu sehr verdichtet und in viele Handlungstränge verwoben. Mosters Romane sind alle Entwicklungsromane. Seine Helden - zumindest der Leser kann das beobachten - entwickeln sich im Zuge der Handlung voran. Auch wenn am Anfang der Romangeschichten eher die beobachtende und zurückhaltende Haltung eingenommen wird, erlaubt der Autor seinen Helden nicht passiv zu bleiben. Sie müssen was tun, um an ihrem Leben etwas zu ändern.  Am Ende sind vielleicht noch viele Fagen offen, Ausgelassenes und Ungesagtes bleiben, aber der Leser ist glücklich über das gelesene Buch und glaubt fest daran, dass die Protagonsiten auch nach dem Zuklappen der letzten Seite irgendwo da draußen weiter ihren Weg gehen.
Sehr oft passiert es mir, dass ich an die Romane von Moster auch im Alltag denken muss. Meist reicht eine Kleinigkeiten aus, die Atmosphäre im Café, die Menschen auf der Straße, zufällige Handlungen, und ich fühle mich wieder in Mosters Geschichtenwelt versetzt.
Beeindruckend finde ich, wie Stefan Moster die "jungen" mittelalten Helden aus der Mitte der Gesellschaf nachzeichnet. Gebildet, wohl situiert, zuweilen gut abgesichert, spiegeln sie eine Generation wieder, die sich im Wandel befindet. So ist im Roman Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels noch ein junger Mann dabei gerade in die Selbständigkeit auszubrechen und seine Freiheit auszukosten. Die familiären Zwänge hinter sich zu lassen. Behütet und gut ausgestattet, musikalisch ausgebildet und positiv in die Zukunft blickend, wohl wissend, die Welt braucht ihn noch. Ein wenig anders schon verhält es sich mir den mittelalten Helden im Roman Lieben sich zwei. Im gentrifiziertem Hafenviertel von Hamburg versucht sich ein junges Paar in der Familiengründung. Zum Lifestyle in mitten der 90er-Jahre  - wie ein Besucher im Buch sagt: "Kein Sein ode Design" - gehört nunmal ein Kind, und wenn nicht auf natürlichem, dann auf künstlichem Wege. Die geerbeten Finanzmittel werden allerdings immer weniger, die Pop-up Unternehmen immer unrentabler, der Lebensplan immer ungewisser. Wie still und leise sich aber die Natur in das Geschehen einmischt, gelingt es nur Stefan Moster zu erzählen.
 Existenziell abgesichert und ein wenig schon abgehoben sind die Sphären der Frau des Botschafters im gleichnamigen Roman. Die ehemalige Journalistin Oda führt ein gediegenes Leben als Gattin des Botschafters in Helsinki und beobachtet voller Schmerz  das eigene Leben: Ein behinderter Sohn, völlig und ganz auf die Pflege im Heim angewiesen, macht sie als Mutter belanglos, als Frau unvollkommen, und als Ehefrau unzulänglich. Wohin mit den eigenen Gefühlen? Wo ist das eigene Leben geblieben? Im Wechsel von Hell und Dunkel, vor der Kulisse des nordischen Lichts überdenkt Oda ihr Sein und teilt ihre innigsten Momente ihrem Sohn mit.  Mit diesem Buch hat Stefan Moster einen ganz  eigenwilligen Roman geschaffen. Mit Elementen der Sage über das Meer, den Fischer und die Unbekannte, und einem Spiel des Nordlichtes, entsteht ein Moment der Unendlichkeit. Das grelle weiße Licht beschreibt Stefan Moster außerordenlich intensiv, die Helligkeit löst beim Lesen fast einen Schmerz aus,  und das vom Nichts umgebende Moment, ein ganz außergewöhnliches Leseerelebnis.
Und mit Neringa oder Die andere Art der Heimkehr, seinem jüngsten Roman,  greift Stefan Moster ein Thema auf, welches in der deutschsprachigen Literatur derzeit viel bemüht wird: sich auf die Spuren der Großelterngeneration begeben. Raffiniert verknüpft Moster den Beruf des Pflasterers mit der Spurensuche in die Vergangenheit und zieht einen Bogen zur modernen, digitalen, virtuellen Welt in welcher keinerlei Spuren hinterlassen werden können. Von einem bodenständigen Großvater zu einem virtuellen Unternehmensberater, von Bestädnigkeit zur Unstetigkeit, von Heimat zur Suche nach Heimat  - ein gelungener Gesellschaftsroman, ein raffiniertes Spiel mit dem Genre, eine wunderbare Erählung über das Früher und Jetzt!
(Foto Quelle: Mare Verlag)
Facebooktwitterrssinstagram
Facebooktwittermail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.