Springe zum Inhalt

Was ist über den Autor Stefan Moster zu sagen?

Stefan Moster wurde 1964 in Mainz geboren und lebt in Finnland. Er übersetzt finnische Autoren ins Deutsche und veröffentlicht selbst Romane im mare-Verlag. Bisher hat der mare Verlag vier Romane Mosters herausgegeben und alle haben unterschiedliche Themen.
Stefan Moster zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern und hat seine ganz eigne,  zarte Beobachtung der Menschen und Schicksale über die er schreibt.
Was macht seine Erzählkunst aus? ...weiterlesen "Stefan Moster"

In den Frühjahrsvorschauen des mare Verlages fiel mir sofort der neue Roman von Stefan Moster auf.  Dankenswerterweise erhielt ich vom Verlag ein Leseexemplar und erfreute mich auch bester Lektüre. Im buchhändlerischen Sinne ist diese Frühjahrs-Neuerscheinung keine  Novität mehr. Die Verlage verschicken ja schon die Herbstprogramme. Doch bleibt es meine Frühjahrs-Neuentdeckung:

Neringa oder Die andere Art der Heimkehr ist eine besondere Geschichte, die bereits mit einem außergewöhnlichem Buchcover beginnt:  eine Schwarz-Weiß-Fotografie eines Pflastersteinbodens, ein Platz von oben aufgenommen, mit zwei halbrunden Bänken, einem nicht geschlossenen Kreis. In jedem der Halbkreise sitzt eine Person. Eine Fotografie, die man lange anschaut. Etwas enttäuscht war ich zuerst von der Themenwahl:  Ich dachte nur; „Nein, bitte nicht noch ein Buch über die Großvätergeneration!“ Ein aktueller Trend in der deutschsprachigen Literatur. An einer Stelle im Buch, so ziemlich am Ende, sinniert auch der Protagonist über den „Erinnerungskult“! Aber, geht es wirklich ums Erinnern?

...weiterlesen "Neringa oder die andere Art der Heimkehr"

Für mich ist Mein Jahr mit Mr. Mac DIE Neuerscheinung des Frühjahrs 2016. Ein Roman über Kunst,  Freundschaft, Krieg und Vertrauen, wie ich finde. Ich hatte mich schon beim Lesen der Verlagsvorschauen in das  Buchcover verliebt, dann machte mich die Autorin Esther Freud sehr neugierig: Über wen hat sie wohl diesmal geschrieben? Und schon auf den ersten Seiten des Buches, war ich mir sicher: Dieser Roman wird dich nicht mehr loslassen…

In 53 Kapiteln auf 363 Seiten entführt uns Esther Freud in die Welt der Kunst  und des Lebens mit der Kunst.  Der Autorin ist mit diesem Roman ein ganz besonderes Gemälde gelungen:  ...weiterlesen "Mein Frühjahr mit Mr Mac"

Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels Deutet schon im Titel an, dass es nicht möglich ist vierhändig (Klavier) zu spielen, insbesondere für Mutter und Sohn nicht mehr. Sie sind vor Monaten im Streit auseinander gegangen und befinden sich nun auf demselben Kreuzfahrtschiff, sie als Bordpsychologin, er als Schiffspianist. Zufall ist das aber nicht - arrangiert hat das der ehemalige Kollege jetzt Vorgesetzte der Mutter, der sie jeden Tag in ihrem Beratungszimmer aufsucht und die Vergangenheit in der DDR aufrollt. In der Zwischenzeit verliebt sich der Sohn in eine junge Kollegin und manövriert  sich in unruhiges Fahrwasser, die zu einer sehr stürmischen Begenung von Mutter und Sohn führen wird. Ganz in „mosterhafter“  Manier geschrieben, nie geschwätzig, aber sehr erzählerisch, beschreibt der Autor hier eine innige Mutter-Sohn-Beziehung, taucht ein in deutsch-deutsche Beziehungen und entwickelt eine ungeheurlich spannende Schiffsreise in unruhigen Gewässern.


In seinem Roman Lieben sich zwei gehtbegenet der Leser einem Ehepaar, das sich aus der süddeutschen Pfälzer Provinz bis nach Hamburg "entwickelt" hat. Mit guten Startmöglichkeiten, einer guten Ausbildung und Vorzeigeberufen als Unternehmensberater und Weinladenbesitzerin haben sie es sich im Hamburger Vorzeige-Hafenviertel mit viel Markendeko zurecht gemacht. "Kein Sein ohne Design" wie es ein Familienmitglied im Buch treffend formulierte. Der Wunsch ein eigenes Kind zu bekommen, bleibt ihnen allerdings vorerst verwehrt und sie holen sich medizinische Hilfe. Je länger der therapeutische Prozess der künstlichen Befruchtung dauert,  desto öfter gerät die Beziehung ins Wanken. Dazu kommen finanzielle Nöte, denn die Weinhandlung ist unrentabel. Ein Riss im Lebensplan wird immer tiefer, die behutsame und konfliktfreie, distanzierte Beziehung gerät immer mehr in stürmische Gewässer. Stefan Moster hat hier präzise der Mitdreißiger Generation der Neunziger Jahre nachgezeichnet, ihren Lifestyle hinterfragt und aus der Mitte der Gesellschaft einen höchst interessanten Gesellschaftsroman geschrieben.


Die Frau des Botschafters 0da, die Frau des deutschen Botschafters in Helsinki führt ein ruhiges, gediegenes Leben. Sie hat einen Chauffeur, Bedienstete nimmt an diplomatischen Feierlichkeiten teil, alles verläuft in geordneten Bahnen. Einmal im Monat fährt sie nach Deutschland, wo sie ihren Sohn besucht, der seit der Geburt behindert ist und in einem Heim versorgt werden muss. Mit dem Fischer Klaus pflegt sie eine ungewöhnliche Freundschaft, die das diplomatische Leben auflockert und die Freude des Lebens wieder spürbar macht.  Eines Tages, als die Sehnsucht nach dem Sohn nicht mehr zu ertragen ist, führen Oda und Klaus einen abenteuerlichen Plan durch: Sie entführen ihren Sohn nach Finnland,  um ihm die Helle, das nordische Licht in den Buchten Helsinkis zu zeigen. Ein stilles, besonders einfühlend geschriebenes Buch, ohne Pathos und Kitsch. Die klugen Gedanken über ihre Ehe, die Liebe zu ihrem Mann, die gesprochenen Nachrichten einer Mutter an ihr Kind,  die Freundschaft zu Klaus und eine leise zärtliche Hingezogenheit zum Bibliothekar machen diesen außergewöhnlichen Roman sehr lesenswert.