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Falls Du es verpasst hast: Die Badende von Moritzburg, eine wundervolle #Sommernovelle, die Du auch in diesem Sommer lesen kannst. Auch farblich ist dieser sommerliche Lesestostoff ein Hingucker und passt auch noch in jede Badetasche rein. Besoders schön und auffällig ist das Buchcover:  „Drei badende Frauen“ von Ernst Ludwig Kirchner, im Jahre 1911 oder 1912 gemalt und nun dichtet der Autor Ralf Günther die Geschichte hinter dem Bild. ...weiterlesen "Die Badende von Moritzburg von Ralf Günther"

Der Grund warum ich am liebsten alle Bücher, die ich gerne besprechen möchte, selbst kaufe und nicht Rezensionsexemplare anfordere: Ich weiß einfach nicht, wann ich so weit sein werde ein Buch zu besprechen. Das ist nun mal so. Die meisten Verlage wollen gerne, dass ihre Neulinge so bald wie möglich gelesen und besprochen werden, am besten innerhalb von 2-3 Wochen: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Doch möchte ich auch als bloggende Buchhändlerin den Zeitpunkt einer Buchbesprechung selbst bestimmen.

Das Buch „Die Liebenden von Wiesbaden“  von Susanne Konrad ist im Herbst letzten Jahres erschienen. Es hat mich sofort angesprochen und ist, wie ich es gerne nenne,  ein „schönes Büchlein“. Klein, handlich, dünn, ein kunstvolles Broschur-Cover mit dem Bild von August Mackes „Leute am blauen See“ - richtig verlockend. Auch im Buch selbst finden sich Abbildungen, s/w-Fotografien aus Wiesbaden, vom Kurhaus, der Altstadt, Häuserfassaden. Nimmt man das Buch in die Hand und blättert es zunächst schnell mal so eben durch, prüft es als Leser auf „Lesetauglichkeit“: Typographie, Seitenzahl, Absätze, Dialoge, … (das machen Leser zuerst) wird man schnell feststellen, wie liebe- und geschmackvoll dieses kleine Werk ausgestattet wurde. Ein Lob an den Größenwahn Verlag. Und beim Reinlesen stellt man schnell fest, es ist nicht nur ein schönes Büchlein, sondern ein ganz besonderes Buch mit einem außergewöhnlichen Thema. ...weiterlesen "Die Liebenden von Wiesbaden von Susanne Konrad"

Mariana Leky hat mit ihrem Roman „Was man von hier aus sehen kann“ ein Buch über die Liebe, den Tod und den Glauben geschrieben. Dieser Roman ist der Liebling der Buchhändler geworden, ja er hat uns Buchhändler sofort in seinen zauberhaften, aber so wahren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Das liegt nicht nur an der einzigartigen Geschichte, sondern ganz besonders an der Erzählweise von Mariana Leky. Ihre Protagonisten sind richtige Menschen, die ab und an den Boden unter den Füßen verlieren und sich dabei auf diese so „lekyhafte“ wundersame Weise zu helfen wissen: Geister, Träumer, Reisende, Feuerwehrmänner, Mönche und Optiker. Sie sind Retter in Not und stille Begleiter in Lebenskrisen. Leky versteht es zu erzählen, wie sich Zufälle und Vorfälle auf Menschen zeitgleich und doch unterschiedlich auswirken können. Liest man Lekys Geschichten, so glaubt man kaum vorher je so schöne Formulierungen gelesen zu haben. Ich mache das nicht so gerne – Autoren vergleichen - aber hier finde ich es angebracht: Mariana Leky ist die deutsche Carson McCullers.

"Es ist sehr entspannend, ein wenig herumzulügen, wenn man weiß, dass gleich eine verschwiegene Wahrheit anrückt"

Mein erstes Buch von Mariana Leky war ihr Roman „Die Herrenaustatterin“, erschienen 2010 im Dumont Verlag. Ich fing damals an zu lesen und war hingerissen. Mal musste ich richtig laut auflachen, mal die Sätze mehrmals lesen, um sie immer wieder zu genießen. Situationskomik und Psychologie, Alltag und Philosophie liegen hier ganz nah beieinander.  Pointiert und zutiefst treffend beschreibt Leky die Augenblicke in welchen sich Glück und Trauer abwechseln.
In „Die Herrenaustatterin“ verliert die Protagonistin Katja Wiesberg den Boden unter den Füßen als sie von ihrer großen Liebe verlassen wird. Jakob, ihr zufälliger Zahnarz, ihr Noch-Ehemann, trat  unauffällig zufällig in ihr Leben:

„Ich freute mich, ausgerechnet an Jakob geraten zu sein, und als es dann doch etwas schmerzhaft wurde, hob ich nicht die Hand, sondern schaute auf ein großes Schild, das an der Decke über dem Behandlungsstuhl hing. In großen Buchstaben stand drauf: "Gleich ist es vorbei“

So verkündet schon auf den ersten Seiten die Erzählerin  auch das Ende dieser ganz wunderlichen Beziehung. Als Jakob sich nicht nur in eine andere Frau verliebt, sondern auch tödlich verunglückt, ist man auch als Leser kaum imstande die Trauer von Katja Wiesberg auszuhalten. Hier zeichnet Leky psychologisch genau nach, wie ein Trauma die Sinne trüben, aber wie Phantasie sie retten kann. Katja kommuniziert fortan mit dem Geist ihres verstorbenen Nachbarn, Herrn Blank, der ihr nicht mehr von der Seite weichen wird. Der real existierende Feuerwehrmann Armin, taucht zum richtigen Zeitpunkt, aber am falschen Ort – bei Katja Zuhause – auf, um ein Feuer zu löschen, das es gar nicht gibt. Auch er wird bei Katja bzw. bei Katja und Blank, diesem Duo  aus Tragik und Komik, bleiben. Slapstick-Humor, geschickte Wendungen, und immer das richtige Maß an märchenhaftem Erzählen, zeichnen die Erzählweise Lekys deutlich aus.

Auch in ihrem neuesten Roman „Was man von hier aus sehen kann“ sind die Wendungen und Pointen, der Wechsel vom Unglück zum Glück zum Unglück, behutsam und unteilbar gesetzt. Ein ganzes Dorf gerät in Aufruhr, wenn Selma von einem Okapi räumt. Der Tod naht, das wissen die Dorfbewohner, nur nicht, wen es treffen wird. Jeder glaubt er sei der Nächste. Umso grausamer ist es als der junge Martin verunglückt. Der Tod eines jungen Menschen ist kaum zu ertragen. So endet der erste Teil des Romans, der von Martin und Luise, von Selma, dem Optiker und einer wundersamen Dorfgemeinschaft handelt. Der Aberglaube dominiert die Westerwälder. Selmas „Okapi-Träume“ sind gefürchtet, bestimmte Stellen im Haus, …  schicksalhaft. Nach Martins Tod allerdings beginnt eine neue Zeitrechnung. Zwölf Jahre später, im zweiten Teil des Romans,  haben die Protagonisten viele Unwägbarkeiten hinter sich gebracht und versuchen im Leben zu bestehen. Doch für die Ich-Erzählerin Luise wird es noch ein weiter Weg sein. Zeit und Glaube sind die Schlagwörter in diesem zweiten Teil.

„Meine Mutter verließ meinen Vater, und dass er sie bereits vor einiger Zeit verlassen hatte, tat überhaupt nichts zur Sache. Meine Mutter hatte eine Zeitverschiebung, deshalb verließ sie ihn aus ihrer Sicht zuerst.“

Luises Liebe zum buddhistischen Mönch Frederik, der plötzlich – wie so üblich in Lekys Erzählungen – in Luises Leben eintritt, verleiht der Geschichte eine ganz besondere zeitliche Aura. Aus Zeitverschiebung werden zeitliche Parallelen. So beschreibt die Autorin, alle Ereignisse im Leben der Protagonisten als gleichzeitig stattfindend. Es mag an mancher Stelle im Buch daher etwas unliterarisch erscheinen, wenn Leky jeden Abschnitt mit "Gleichzeitig, ...beginnt. Die wunderbar ersponnene Handlung verliert dadurch nicht an erzählerischer Kunstfertigkeit.

Der dritte Teil des Romans – jetzt acht Jahre später, Luise ist mittlerweile Mitte Dreißig – verläuft in gespannter Erwartung eines Unglücks. Selbst der Leser traut bis zur letzten Seite nicht dem Frieden. Ist es möglich, dass niemand mehr stirbt? Ist es möglich, dass nicht alle zur gleichen Zeit ihr ganz persönliches Erlebnis haben, …?

Und am Ende geht die Geschichte natürlich weiter. Irgendwann werden wir bestimmt wieder was von Luise und Frederick zu lesen bekommen. Darauf freue ich mich schon jetzt.

Mariana Leky hatte vor einigen Jahren ein Hörspiel mit dem Titel „Der Buddhist und ich“ verfasst, in dem "Frederik" und "Luise" zum ersten Mal auftreten. Diesem Hörspiel sind diese beiden Figuren für diesen Roman entnommen. Und wer Freude am Hören hat, der gönne sich das Hörspiel!

Die wichtigsten ücher von Mariana Leky:

Was man von hier aus sehen kann
Die Herrenaustatterin
Liebesperlen

Vor ein paar Wochen erschien im Klett-Cotta Verlag ein Buch, das nahezu still und leise, am Büchergeschehen vorbei, in den Handel kam.  Leider!

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es ist eine besondere Lektüre, weil sie außerhalb der Thementrends liegt, die in diesem Jahr den Buchmarkt prägen - und doch wieder nicht: auch hier spielt das politische Europa eine Rolle! Was macht das Buch also so besonders? Das ist auf jeden Fall die dokumentarische Erzählweise der Autorin Ines Geipel,  die Fakten und Fiktion sehr abgestimmt und literarisch miteinander verbindet. Es sind die Umrisse einer politischen Nachkriegsentwicklung in Europa, die alles andere als friedlich abgelaufen ist - die Folgen sind heute deutlich erkennbar. Es sind die Leben der Menschen, die von diesen politischen Unruhen beeinflusst wurden - bis heute. ...weiterlesen "Tochter des Diktators von Ines Geipel"

Erinnerungen aus der Nachbarschaft, mag ich verlauten lassen: Eva Demski hat ihre Erinnerungen in einen litrerarischen Koffer gepackt und im Insel Verlag auf die Reise in den Buchhandel und zum Leser geschickt! Bereits  seit Anfang August ist das Buch "Den Koffer trag ich selber" im Buchhandel erhältlich; Wir am Dornbusch freuen uns ganz besonders!


So ein vielversprechender Sound: "Der Geigenvirtouse Johannes Karelsky wird an den europäischen Höfen als Wunderkind gefeiert. Als er Jahre später schwer verwundet auf dem Schlachtfeld von Napoleons Armee liegt, dringt eine reine und wohlklingende Stimme an sein Ohr, die Johannes fortan in seinen Träumen begleitet. .... Also wenn das kein französischer Gruß zur Frankfurter Buchmesse ist  "Die schwarze Violine" von Maxence Fermine, bereits erschienen und  zwar im wunderbaren Unionsverlag!


Ebenfalls im Unionsverlag ist das kleine Büchlein "Topsy" von Marie Bonaparte erhätlich. Eine kleine Geschichte übersetzt von Anna und Sigmund Freud, beschreibt auf 128 Seiten wie die Chow-Chow-Hündin Topsy dem Tode entkommt und welche Erkenntnis über den Sinn der Liebe gewonnen werden kann. Da bin ich aber sehr gespannt, genau diese Lektüre brauche ich jetzt!


Auf dieses Buch freue mich ganz besonders: "Das Buch der verlorenen Bücher. Acht Meisterwerke und die Geschichte ihres Verschwindens", aufgeschrieben von Giorgio van Straten, erscheint am 6. Septemberi m Insel Verlag. Es geht um erstaunliches Verschwinden von Büchern bekannter Autoren wie Walter Benjamin, Sylvia Plath, Bruno Schulz, ...aber noch erstaunlicher sind die Geschichten dieses Verschwindens, handelt es sich doch fast immer um Meisterwerke!


Herr Lehmann ist wieder da, und das ist eine Rückkehr, die Freude bereitet; Wiener Strasse, der neue Roman von Sven Regener mit altbekannten Helden und vor der Kulisse Westberlins in den 80er Jahren - vielversprechend und vor allem: ich drücke ganz fest die Daumen für die Shortlist des Deutschen Buchpreises!


...weiterlesen "Herbstliche Stimmungsmacher"