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Judith Hermann 1970 in Berlin geboren, wo sie auch heute lebt, hat sich schon Ende der neunziger Jahre einen Namen als Meisterin der Kurzgeschichte gemacht. Ihre Erzählungen werden gerne verflmt,  jeder neue Erzählband erfreut sich großer Aufmerksamkeit. Die Erzählungen sind mittlerweile alle in Taschenbuchausgaben erhältlich. Hier gehe ich exemplarisch auf die Erzähl-Sammlung Sommerhaus, später ein. Die Erzählungen  sind nur auf den ersten Blick mit Leichtigkeit erzählt. Im Mittelpunkt stehen meist Frauen, um die dreißig Jahre auf ihrem Weg ins „Erwachsenwerden“.
Ja, die Geschichten bilden einen Alltag ab, der losgelöst ist von äußeren, gesellschaftlichen Einflüssen. Wichtig ist immer nur der Moment, der lebensabschnit in welchem man sich befindet. Die Heldinnen scheinen losgelöst vom eigentlichen Leben zu sein. Sind es Darstellungen einer ganzen Generation oder ist es womöglich Kritik an dieser schwebenden Lebensweise? Ich vermag es hier und jetzt nicht zu analysieren und zu beurteilen. ERstaunlich fand ich die erste Erzählung in Sommerhasum späterRote Korallen. Es liest sich wie ein Kunstmärchen, jede Seite lang  erwartet man ungeduldig auf das Erscheinen der Wassergeister. Die Erzählung ist in einzelne Sinnabschnitte aufgeteilt, und wie eine wiederkehrende Welle, beginnt jeder Sinnabschnitt mit den Worten: „Meine Großmutter“, „mein Großvater“ später „mein Urgroßvater“ und „mein Geliebter“, irgendwann auch „mein Therapeut“.  Die rote Korallenkette ist das Verbindungsglied zwischen der Großmutter und dem Schicksal der Enkelin. Wird aber die Korallenkette aus den Händen gegeben, ist auch eine Trennung im Leben der Enkelin vollbracht. Mit viel Sinn für Ironie erzählt Hermann über junge Frauen, die ihren Weg im Lebenn och nicht gefunden haben.

In der gleichnamigen Erzählung Sommerhaus, später wird eine Gruppe junger Menschen beschrieben - alle um die dreißig . die das Leben ausprobiert und auskostet Keinerlei Festlegung, keine Lebenskonzepte, keine Pläne, alle Möglichkeiten sind offen. Es ist eine Liebesgeschichte in welcher alle Formen der Liebe möglich sind. Hier wird Freiheit mühsam versucht zu leben. Die Helden dieser Erzählung schwirren umher, weder das Leben noch das Anti-Leben, weder die Liebe noch die Trennung gelingen ihnen gänzlich. Symbolisch dafür steht das Ende der Liebesgeschichte: Die Enstcheidung ein Angebot anzunehmen gemeinsam in einem Sommerhaus zu leben, wird auf später verschoben: Sommerhaus, später!

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Ihrem Debüt ›Sommerhaus, später‹ (1998) wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der Erzählungsband ›Nichts als Gespenster‹. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino verfilmt. 2009 erschien ›Alice‹, fünf Erzählungen, die international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte Judith Hermann ihren ersten Roman, ›Aller Liebe Anfang‹. Für ihr Werk wurde Judith Hermann mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Zuletzt erschienen die Erzählungen ›Lettipark‹. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin. Literaturpreise: Erich-Fried-Preis 2014 Friedrich-Hölderlin-Preis 2009 Kleist-Preis 2001 Hugo-Ball-Förderpreis 1999 Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 1999 (Quelle: www.fischerverlage.de)