Archiv der Kategorie: Erzählungen

Tochter des Diktators von Ines Geipel

Vor ein paar Wochen erschien im Klett-Cotta Verlag ein Buch, das nahezu still und leise, am Büchergeschehen vorbei, in den Handel kam.  Leider!

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es ist eine besondere Lektüre, weil sie außerhalb der Thementrends liegt, die in diesem Jahr den Buchmarkt prägen – und doch wieder nicht: auch hier spielt das politische Europa eine Rolle! Was macht das Buch also so besonders? Das ist auf jeden Fall die dokumentarische Erzählweise der Autorin Ines Geipel,  die Fakten und Fiktion sehr abgestimmt und literarisch miteinander verbindet. Es sind die Umrisse einer politischen Nachkriegsentwicklung in Europa, die alles andere als friedlich abgelaufen ist – die Folgen sind heute deutlich erkennbar. Es sind die Leben der Menschen, die von diesen politischen Unruhen beeinflusst wurden – bis heute. Tochter des Diktators von Ines Geipel weiterlesen

Liebe unter Aliens von Terézia Mora

„Liebe unter Aliens“ Erzählungen von Terézia Mora – bisher meine Lieblingserzählungen in diesem Bücherjahr. Ein fesselnder, eindringlicher Erzählstil, außergewöhnliche, liebe und empfindsame Menschen, die ihr Glück suchen, Freundschaft und Liebe finden wollen, haben mich fasziniert. Terézia Mora zeichnet Menschen nach, die in dieser vermeintlich perfekten Welt noch nicht angekommen sind. Jede Geschichte ist erzählerisch ein Meisterwerk.

Wie gelingt das der Autorin? Mit einem spannenden Intro verleitet Mora den Leser dazu zu glauben, ein Unglück, eine böse Tat stehe bevor. Doch sie löst dieses “Versprechen” nicht ein. Aus dieser anfänglichen Spannung entwickelt die Autorin  eine ganz andere, neue Geschichte indem sie die Sehnsüchte dieser “kleinen” Menschen,  ihre Träume, ihr tragisches zuweilen ihr komisches Handeln offenbart! Eigentlich ist es das einfache Leben gespickt mit neuen Augenblicken, die den Leser fesseln. Doch nie wirken die Erzählungen überladen oder konstruiert. Die  Geschichten sind schlüssig, die Helden glaubwürdig, sie  sind Menschen von nebenan – Menschen, die uns vielleicht täglich begegnen, aber unscheinbar erscheinen. Insgesamt zehn Erzählungen, zehn kurze und sehr einprägsame Geschichten sind in diesem Buch nachzulesen. Die Kurzgeschichte mit dem gleichnamigen Titel zum Erzählband „ Liebe unter Aliens“ ist für mich am einfühlsamsten erzählt.  Die Sprache ist sanfter und eindringlicher, die zwei Jugendlichen erscheinen wie zwei verlorene Seelen, die haltlos umherschwirren. Wer oder was kann sie in dieser unsicheren Welt halten? Auch die anderen Erzählungen fächern außergewöhnliche Themen auf.  Der Leser entdeckt hier den passionierten Besitzer einer portugiesischen Pension mit der Leidenschaft für alte Möbel, eine andere Geschichte handelt von einem Mann, der sich zur Halbschwester hingezogen fühlt, voller Anspannung der nächsten Begegnung entgegenfährt …Geschichten, die ich Ihnen nur wärmstens empfehlen kann!


 

Memory Wall von Anthony Doerr

Antthony Doerr  ist mit seinem Roman Alles Licht, das wir nicht sehen  im letzten Jahr bekannt geworden. Diese Novelle fiel mir nur ganz zufällig, in die Hände. Memory Wall ist ein kurzes mächtiges Erzählwerk, ein Zusammenspiel aus Fiktion, fantastischem Erzählen, der Psyche und der Seele. Eine sehr ungewöhnliche Geschichte, die in Südafrika spielt. Die 74-jährige Alma ist an Demenz erkrankt, ihr Erinnerungsvermögen lässt täglich nach, auch die Wand voller Fotos kann nicht mehr die Erinnerungsfähigkeit aufrechterhalten. In ihren klaren Momenten spürt es Alma selbst und hat Angst, was mit ihr geschen wird.  Memory Wall von Anthony Doerr weiterlesen

Das Mädchen mit den Orangenpapieren

Das Mädchen mit den Orangenpaieren von Hanns Zischler ist bereits im Herbst erschienen, wurde aber im Januar 2015 sehr liebevoll in der Presse besprochen. Ich habe das Buch in den letzten Tagen gelesen und habe es bedauert, dass es nach 108 Seiten zu Ende ist. Eine wunderbare und so treffende Beschreibung übernehme ich hier vom Verlag:

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Alles was war

9783716027165

Arche VerlaDas Buch ist bereits im August 2014 erschienen, ich habe es in diesen Tagen entdeckt: Eine Jugend in den 50er Jahren in Frankfurt am Main. Aus der Perspektive eines alten Mannes wird  das Heranwachsen einer jüdischen Kindheit in Frankfurt erzählt:  Wie der Junge zur Schule geht, wie er zu Hause am Bett des kranken Vaters sitzt, der trotz schwerster Misshandlungen das KZ überlebt hat, Moby Dick liest, am Zeitungsstand neben der Quick und Revue, die ihn natürlich nicht interessieren, die Comics entdeckt, im Café Kranzler Kakao trinkt und auf die Werbung für »Creme Mouson« schaut – im Hintergrund Frankfurt am Main in Trümmern. Der alte Mann beobachtet auch, wie die Jahre vergehen, das Kind zum Mann wird und das Land, die Stadt, sich vermeintlich zu verändern anstrengt…Eine berührende Familiengeschichte, Episoden eines jüdischen Lebens nach dem Krieg, eine Stadtgeschichte, ein Neubeginn. Ganz besonders finde ich die Weihnukka Erzählung, die ich schon heute für die nächste Weihnachtslesung aufbewahre …