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Scharf und stichfest

Oder der Geschmack von Geld und Macht

„Kunst funktioniert wie Geld, Gott oder die Annahme, je älter der Rotwein, desto besser: Die Masse muss glauben, dann wird es wahr.“

Für den Aktionskünstler und Millionärssohn Georg muss Kunst ein Instrument sein, ein Messer, das verletzt und tiefe Wunden hinterlässt.  Und nur diejenigen, die Mut haben den Schmerz auszuhalten, haben Kunst verstanden.

„Einbrecher sind Feiglinge, keine Räuber, sondern Diebe“ – so definiert Victor, ein Ex-Knacki, Ex-Dieb und angehender Restaurantbesitzer seine jahrelange Tätigkeit als Dieb. Der letzte Einbruch brachte ihm zwei Jahre Gefängnis ein. Hatte er doch nachlässig gearbeitet und übersehen, dass der Besitzer zu Hause war.

Auster und Klinge ist ein Buch das überrascht,  wachrüttelt,  amüsiert, und dann tiefen Schmerz zufügt. Lässt man diesen Schmerz zu, begibt man sich auf ca. 300 Seiten und ein paar Lesestunden, in die Tiefen der globalen Markwirtschaft, in die Grausamkeiten krimineller und unternehmerischer Energie.

Aber zunächst ein paar einführende Worte: ...weiterlesen "Auster und Klinge von Lilian Loke"

Zwei Bücher, zwei Frauen, zwei Leben, zwei Frauenleben - nicht in lila, nicht in rosa, nein in orange!

Beide Bücher hatten mich über das Cover angesprochen. Es war die Farbgebung, die mich verleitete zunächst zu glauben, es handelt sich um identische Buchumschläge. Sagt man das überhaupt noch: Buchumschlag?
Wie auch immer, beide Bücher ähneln sich nicht nur äußerlich, sondern auch inhaltlich. Die Autorinnen Petra Morsbach und Verena Boos, die mir bisher nur wenig bekannt waren, haben - jede in ihrem Buch - Frauenleben aufgespührt und gesellschaftliche Frauenbildnisse nachgezeichnet, die mich irritieren. Das ist auch der Grund für diese Doppel-Besprechung.

So unterschiedlich die Thematik vordergründig erscheinen mag, so überraschend ähnlich sind die Lebensläufe dieser beiden Frauen:  Hanna und Thirza. ...weiterlesen "Alles orange?"

Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels Deutet schon im Titel an, dass es nicht möglich ist vierhändig (Klavier) zu spielen, insbesondere für Mutter und Sohn nicht mehr. Sie sind vor Monaten im Streit auseinander gegangen und befinden sich nun auf demselben Kreuzfahrtschiff, sie als Bordpsychologin, er als Schiffspianist. Zufall ist das aber nicht - arrangiert hat das der ehemalige Kollege jetzt Vorgesetzte der Mutter, der sie jeden Tag in ihrem Beratungszimmer aufsucht und die Vergangenheit in der DDR aufrollt. In der Zwischenzeit verliebt sich der Sohn in eine junge Kollegin und manövriert  sich in unruhiges Fahrwasser, die zu einer sehr stürmischen Begenung von Mutter und Sohn führen wird. Ganz in „mosterhafter“  Manier geschrieben, nie geschwätzig, aber sehr erzählerisch, beschreibt der Autor hier eine innige Mutter-Sohn-Beziehung, taucht ein in deutsch-deutsche Beziehungen und entwickelt eine ungeheurlich spannende Schiffsreise in unruhigen Gewässern.


In seinem Roman Lieben sich zwei gehtbegenet der Leser einem Ehepaar, das sich aus der süddeutschen Pfälzer Provinz bis nach Hamburg "entwickelt" hat. Mit guten Startmöglichkeiten, einer guten Ausbildung und Vorzeigeberufen als Unternehmensberater und Weinladenbesitzerin haben sie es sich im Hamburger Vorzeige-Hafenviertel mit viel Markendeko zurecht gemacht. "Kein Sein ohne Design" wie es ein Familienmitglied im Buch treffend formulierte. Der Wunsch ein eigenes Kind zu bekommen, bleibt ihnen allerdings vorerst verwehrt und sie holen sich medizinische Hilfe. Je länger der therapeutische Prozess der künstlichen Befruchtung dauert,  desto öfter gerät die Beziehung ins Wanken. Dazu kommen finanzielle Nöte, denn die Weinhandlung ist unrentabel. Ein Riss im Lebensplan wird immer tiefer, die behutsame und konfliktfreie, distanzierte Beziehung gerät immer mehr in stürmische Gewässer. Stefan Moster hat hier präzise der Mitdreißiger Generation der Neunziger Jahre nachgezeichnet, ihren Lifestyle hinterfragt und aus der Mitte der Gesellschaft einen höchst interessanten Gesellschaftsroman geschrieben.


Die Frau des Botschafters 0da, die Frau des deutschen Botschafters in Helsinki führt ein ruhiges, gediegenes Leben. Sie hat einen Chauffeur, Bedienstete nimmt an diplomatischen Feierlichkeiten teil, alles verläuft in geordneten Bahnen. Einmal im Monat fährt sie nach Deutschland, wo sie ihren Sohn besucht, der seit der Geburt behindert ist und in einem Heim versorgt werden muss. Mit dem Fischer Klaus pflegt sie eine ungewöhnliche Freundschaft, die das diplomatische Leben auflockert und die Freude des Lebens wieder spürbar macht.  Eines Tages, als die Sehnsucht nach dem Sohn nicht mehr zu ertragen ist, führen Oda und Klaus einen abenteuerlichen Plan durch: Sie entführen ihren Sohn nach Finnland,  um ihm die Helle, das nordische Licht in den Buchten Helsinkis zu zeigen. Ein stilles, besonders einfühlend geschriebenes Buch, ohne Pathos und Kitsch. Die klugen Gedanken über ihre Ehe, die Liebe zu ihrem Mann, die gesprochenen Nachrichten einer Mutter an ihr Kind,  die Freundschaft zu Klaus und eine leise zärtliche Hingezogenheit zum Bibliothekar machen diesen außergewöhnlichen Roman sehr lesenswert.