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Unterwegs im Kino

Im Bücherplausch September informiere ich über das Filmgespräch zwischen der Filmkritikerin Marli Feldvoß und ihrer Gesprächspartnerin Hadwiga Fertsch-Röver - Redakteurin in hr2-Kultur - am Mittwoch, 28.09.2016 in Die Fabrik Frankfurt.

Geschichten von und über Stars, Geschichten über Frauen und das "Frauenkino", über Filmrichtungen wie die "Nouvelle vague", über "Krieg und Politik", das "New British Cinema", den "Chinesischen Frühling" und dazwischen viele kleine Berichte, Essays und Kritiken aus dreißig Jahren Filmarbeit. Im Buch "Unterwegs im Kino" hat Marli Feldvoß ihre Berufsjahre durch die Filmwelt zusammengetragen und im Stroemfeld Verlag herausgegeben. Sie erzählte am Mittwoch, 28.09.2016 in der Fabrik in Sachsenhausen eindringlich und einfühlsam über ihre abwechslungsreiche und umfangreiche kinografische Zeit. Angefangen hat sie in der Pupille als Filmvorführerin und wechselte Mitte der achtziger Jahre ins journalistische Fach. Ihr Interesse galt den Autorenfilmen, als Romanistin und "sehr frankophil", wie sie es selbst beschrieb,  entdeckte sie sehr früh  den französischen Film. Im Zuge ihrer langjährigen Tätigkeit als Journalistin, Kritikerin und Publizistin führte Sie Interviews mit Stars wie Anthony Quinn, Danzel Washington, Ingrid Bergman, drehte selbst Filme fürs Fernsehen.

Während Marlis Feldvoß erzählte, blieb die Zeit in den Gewölben der Fabrik stehen. So saß ich also da und Erinnerungen wurden wach: Ja, an Rohmers Filme kann man sich doch erinnern, man hat sie doch gesehen, und Tilda Swinton noch bevor sie der große Hollywood Star wurde. Wie kann man das Gesicht nur nicht mehr erinnern, war sie doch der "Star" der Derek Jarman Filme, ach ja Derek Jarman ... Man kennt sie, all die schönen Filme mit welchen man aufgewachsen ist, für die man noch die letzte D-Mark zurückgelegt, bei den Eltern noch einmal darum gebeten hat, um den Eintritt für die lange Kinonacht zu bezahlen. (Und: damals durfte man im Kino rauchen)! Umso schöner war es dann, Marli Feldvoß zuzhören, wenn sie so wunderbar leise und einfühlsam, über die Filme und die Zeit, die einen selbst geprägt hat, erzählte. Fixiert auf ihr schmales Gesicht und den Mund, ein wenig neidisch ob der vielen Star-Interviews und Gespräche. All die Schauspieler und Regisseure hautnah zu erleben, das wäre es doch gewesen. Oder?

So erzählte sie, wie sie Ingrid Bergman kennen lernen durfte. Eine Schauspielerin, die sehr durch ihre Natürlichkeit und Standhaftigkeit beeindruckte. Ingrid Bergmann ließ sich nicht vom „Hollywood“ vertraglich knebeln und  zur "Typveränderung" verpflichten.  In Gesprächen mit Danzel Washington oder Anthony Quinn erfuhr Marli Feldvoß wie empfindlich die Schauspieler auf Adjektive wie "ethnisch" oder "afroamerikanisch" reagierten. Danzel Washington korrigierte im Gespräch die Äußerung "ethnischer Schauspieler" und betonte, er sei einfach nur ein Schauspieler! Anthony Quinn spielte seit den 30er Jahren in zahlreichen Nebenrollen die unterschiedlichen "ethnischen Charaktere". Vom Cheyenne-Indianer über Mexikaner, bis hin zum - Welterfolg - tanzendem Griechen Alexis Sorbas. Erst der Besuch - als schon älterer Schauspieler - einer Schauspielschule verhalf ihm zum Imagewechsel und zu neuen Rollen.

So schreitete der Filamebend in der Fabrik voran, das Publikum saß dicht beieinander und lauschte konzentriert und unbeirrt dem Gespräch zwischen Marli Feldvoß und der hr2 Redaktuerin Hadwiga Fertsch-Röver. Über Frauenkino und Agnès Varda, über Jane Campion, über die schinesischen Filmemacher, die sich einer starken Zäsur ausgesetzt sahen... Marli Feldvoß nahm ihr Publikum unterwegs in eine Kinowelt, die wohl schon ein wenig in Vergessenheit geraten ist und an diesem Abend zum Leben erweckt wurde!

Ihre "Liebe zum Kino, die "Lust auf filmisches Neuland" findet sich im Buch "Unterwegs im Kino" wieder. Hier sind die Arbeiten - Kritiken, Essays - aus der Zeit von 1985 bis 2012 - auf ca. 450 Seiten erfassst. Ein umfangreiches Film- und Personenregister macht das Buch zum Nachschlagewerk, einem besonderen Filmlexikon und Lesebuch. Es ist auch eine feuilletonistische Reise durch die Filmgeschichte. Im Abschnitt "Bigger Than Life" widmet sich Marli Feldvoß den "Hollywood" Stars (Schauspielern und Regisseuren), die sie getroffen und interviewen konnte. Sie widmet sich im "Rohmer Spezial" ihrem französischen Lieblingsregisseur und seinen Themen und Motiven, ebenso wie sie mit großer Kenntnis im "Campion Spezial" über das Wirken der wunderbaren und so tiefgründigen Jane Campion schreibt. In "Krieg und Politik" oder "Wolkenreiter, Regenmacher",  "Martial Arts und Samurais" geht sie auch auf die politischen Wirren ein, auf die Darstellung von Krieg und Politik im Film.

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